Kirche tourt mit Klapptisch und Kaffee durch 29 Dörfer
Kirche tourt mit Klapptisch und Kaffee durch 29 Dörfer

Mit einer klappbaren Sitzgruppe, einer Kanne Kaffee, einer Flasche Saft und ein paar Keksen ziehen die Kirchengemeinden Dargun-Neukalen und Gnoiener Land in diesem Sommer durch ihr Gemeindegebiet. Unter dem Namen „Nah-Bar“ suchen sie 29 Ortschaften für jeweils zwei Stunden auf – von Walkendorf bis Warrenzin.

Begegnung in Glasow

Pastorin Gudrun Schmiedeberg hatte den Stand in den kleinen Ortsteil Glasow bei Dargun gebracht. Ein Dorf, das die 60-Jährige bisher kaum kannte. „Ich weiß auch nicht, ob das hier die richtige Stelle ist, um den Tisch aufzustellen. Aber vielleicht kommen hier neben der Bushaltestelle doch ein paar Leute vorbei“, sagte sie.

Schmiedeberg war 15 Jahre lang Pastorin in der Kirchengemeinde Hohen Mistorf bei Teterow. Als sie 1991 anfing, gab es in und um Gnoien, Dargun und Neukalen neun Kirchengemeinden mit jeweils einer Pastorin oder einem Pastor. Heute sind es nur noch zwei Gemeinden, die über einen Zusammenschluss nachdenken. Diese Entwicklung hinterlasse Lücken, die Schmiedeberg als Vertretungspastorin in der Propstei Rostock deutlich spüre.

Begegnungen am Straßenrand

In Glasow war an diesem Vormittag kaum jemand unterwegs. Doch dann hielt ein Radlader an dem Stand. Der Fahrer war neugierig geworden, nachdem er am Vortag den Hinweis auf die „Nah-Bar“ gesehen hatte. Er schlug vor, die Pastorin solle künftig in sein Büro kommen. Früher habe die Feuerwehr im Dorf viel gemacht, doch seit dem Wegfall des Gerätehauses passiere nichts mehr. Pläne für eine Verkaufsstelle oder Gaststube hätten sich zerschlagen, Glasow sei zu klein und abgelegen.

Manfred Antenen kam mit seinem Rollator an den Klapptisch. Der 74-Jährige wollte sehen, was es dort gibt. „Es lässt sich ja sonst kaum jemand blicken – hier in Glasow“, sagte er.

Skeptisch gestartet, überzeugt angekommen

Pastorin Schmiedeberg räumte ein, anfangs skeptisch gewesen zu sein: „Einfach so mitten ins Dorf hinstellen, wo man keinen kennt – ob das die richtige Idee ist?“ Doch Erlebnisse wie in Wolkow hätten sie überzeugt. Dort half sie einem Mann, der einen Anfall erlitten hatte; seine Frau bedankte sich herzlich. Eine andere Einwohnerin regte an, eine fast vergessene Kapelle in der Adventszeit wieder zu öffnen. Und eine Begegnung mit einer Frau, die früher in Hohen Mistorf gewohnt hatte, sei ein schönes Gespräch gewesen.

Solche Treffen hätten ihre Vorbehalte ausgeräumt. Die „Nah-Bar“ sei eine anspruchsvolle Aufgabe für die Gemeinden. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir nach diesem Sommer daran anknüpfen können“, so die Pastorin, die in Teterow wohnt. Wenigstens einmal im Jahr sollte die Kirche in jedes Dorf kommen – auch dorthin, wo es wie in Glasow kein Kirchengebäude mehr gibt.