Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow soll an diesem Freitag ein Mann aus dem familiären Umfeld der Angeklagten vor dem Landgericht Rostock vernommen werden. Ob es sich dabei um einen Verwandten oder einen Bekannten der 30-jährigen Gina H. handelt, teilte das Gericht nicht mit. Eine Gerichtssprecherin verwies zum Schutz auf dessen Persönlichkeitsrechte.
Antworten von Gina H. kaum zu erwarten
Ursprünglich hatte die dritte Strafkammer für den 24. Verhandlungstag auch vorgesehen, dass Richter, Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin der Angeklagten Fragen zu ihrer vierstündigen Aussage vom vergangenen Montag stellen können. Darin hatte Gina H. unter anderem ihre Unschuld beteuert und versucht, belastende Zeugenaussagen zu untergraben.
Ihr Verteidiger Thomas Löcker erklärte, Gina H. werde dazu kaum in der Lage sein. Seit ihrer Aussage habe sich ihr Gemütszustand vollkommen verändert. Ihr sei offenbar erstmals bewusst geworden, was in diesem Prozess für sie auf dem Spiel steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie nun doch Fragen beantwortet, gilt daher als gering.
Verlängerung und neues Brandgutachten möglich
Das Gericht bestätigte am Donnerstag, dass der Prozess um bis zu sechs Verhandlungstage verlängert werden könnte. Voraussichtlich wird der Vorsitzende Richter an diesem Freitag mitteilen, wann weitere Zeugen gehört werden sollen.
Die Verteidigung hatte zudem angeregt, ein neues Gutachten zur Branddauer am Tümpel bei Klein Upahl im Landkreis Rostock einzuholen. Dort war der Leichnam von Fabian angezündet worden. Dies sei entscheidend für die Frage, ob die Angeklagte überhaupt die Täterin sein kann. Die Strafkammer muss noch über diese Anregung entscheiden.
Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
Der achtjährige Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an dem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie möglicherweise zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft glaubte Gina H., Fabian sei ihr bei dem Versuch im Weg gewesen, die Beziehung zu Fabians Vater wieder aufzunehmen. Der Prozess könnte sich bis in den Oktober hinein verlängern.