Mehr als 120 Hektar Fläche, alte Bäume, Wiesen und kunstvolle Wasserspiele: Der Schlosspark Ludwigslust ist der weitläufigste Landschaftspark Mecklenburg-Vorpommerns. Die Anlage gehört zum Residenzschloss Ludwigslust und wurde in ihrer langen Geschichte mehrfach umgestaltet. Ihre heutige Form als offener Landschaftspark erhielt das Gelände Mitte des 19. Jahrhunderts.
Vom Jagdhaus zum Landschaftspark
Der Park geht auf einen kleinen Barockgarten zurück, der von 1731 bis 1735 am Jagdhaus von Christian II. Ludwig angelegt wurde. Der Herzog hatte sich die wildreichen Wälder als Jagdrevier ausgewählt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts plante Baumeister Johann Joachim Busch die Erweiterung des Parks. Busch war auch für den Bau des Residenzschlosses verantwortlich, das zwischen 1772 und 1776 entstand.
Die heutige Struktur des Landschaftsparks entstand ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné. Er ergänzte die heimischen Gewächse um exotische Bäume und Sträucher, legte Gehölzgruppen und Sichtachsen an und schuf große Rasenflächen. So präsentiert sich der Park seither als Mischung aus barocker Gartenkunst und offener Parklandschaft.
28 Kilometer langer Kanal speist die Wasserspiele
Der Kanal im Park versorgt verschiedene Wasserspiele – nur durch Gefälle und ohne Pumpen. Da es in der trockenen, sandigen Gegend keine natürlichen Wasserflächen gab, ließ Busch um 1760 einen 28 Kilometer langen Kanal zwischen den Flüssen Stör und Rögnitz bauen. Sein teils natürliches, teils angelegtes Gefälle erzeugt den Druck für die Wasserspiele und Kaskaden. Bis heute kommen keine mechanischen Pumpen zum Einsatz.
Umgeben von dichten Buchen-Beständen fließt das Wasser durch den Park. Unter der Steinernen Brücke hindurch führt der Kanal zu einer Fontäne, dem „Mönch“, und weiter zu den „Nonnen“, 24 kleinen Springbrunnen. Kaskaden, Engstellen und Erweiterungen im Wasserlauf sorgen für eine wechselnde akustische Begleitung der Spaziergänger.
Große Kaskade und architektonische Besonderheiten
Zur Wasserkunst gehört auch die mehr als 70 Meter breite Große Kaskade auf dem Schlossplatz. Sie entstand 1780 aus Granitblöcken und ist Teil der barocken Achse Ludwigslusts, die von der Stadtkirche über Kirchenplatz und Bassinplatz bis zum Residenzschloss verläuft.
Typisch für den Park sind die vielen idyllischen und architektonisch interessanten Orte am Wasser. Dazu zählen eine als künstliche Ruine gestaltete Grotte, mehrere Denkmäler und ein chinesischer Teepavillon. Sehenswert sind auch das Helenen-Paulownen-Mausoleum für die jung verstorbene Frau von Erbprinz Friedrich Ludwig sowie das kleinere Louisen-Mausoleum. Beide Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Auf einer künstlich angelegten Insel im Schlosspark steht die neugotische St. Helena-Kirche von 1809. Sie ist die zweitälteste katholische Kirche Mecklenburgs. Der Glockenturm wurde kurioserweise nicht auf der Insel errichtet, sondern am anderen Ufer des Kirchenteichs.
Natur- und Kulturerlebnis
In den natürlicheren Teilen des Geländes haben sich zahlreiche Tierarten angesiedelt, darunter Eisvögel, Kraniche und Füchse. Der Schlosspark ist zudem ein beliebter Ort für Veranstaltungen und Konzerte unter freiem Himmel. An einem Wochenende im August findet dort jedes Jahr das Kleinkunst-Festival „Das kleine Fest im großen Park“ statt.