Wer an der Müritz in die Hotellerie einsteigen möchte und das nötige Geld mitbringt, hat aktuell die Qual der Wahl. Gleich mehrere Besitzer von Hotels und Pensionen wollen verkaufen und haben Angebote auf gängigen Immobilienportalen geschaltet.
Hotel „Harmonie“ in bester Lage
Mit dem Hotel „Harmonie“ steht etwa ein geschichtsträchtiges Haus in bester Lage mitten in Waren zum Verkauf. Das Haus direkt gegenüber dem Müritzeum wurde 1895 erbaut und war einst Schule. Benannt war die Schule nach der Warenerin Auguste Sprengel, die als Begründerin der deutschen Frauenschulbewegung gilt. Heute bietet das Hotel, das nun zum Verkauf steht, auf vier Etagen insgesamt 21 Zimmer für Übernachtungsgäste. Den Kaufpreis gibt es auf Anfrage.
Fast eine Million Euro werden bei der Pension „Zum Yachthafen“ mit elf Zimmern und zwei Apartments als Kaufpreis angegeben. Das inhabergeführte Haus liegt in der Nähe des Warener Stadthafens. Auch in guter Lage und mit viel Natur in der Nähe sowie einem Blick auf den Feisnecksee steht zudem das „Hotel am Müritz-Nationalpark“ mit 17 Zimmern und zwei Ferienwohnungen zum Verkauf. Hier wird der Preis ebenfalls nur auf Anfrage mitgeteilt.
Keine ungewöhnliche Häufung
Gibt es Gründe für die vielen Inserate, oder handelt es sich nur um Zufall? Denn auch in unmittelbarer Nähe zu Waren, etwa in Klink, stehen weitere Hotels an der Müritz zum Verkauf. Robert Neidel, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburgische Seenplatte, mag zwar „keine vollkommen ungewöhnliche Häufung“ an Geschäftsaufgaben oder -übergaben erkennen.
Er sagt aber auch, dass im Tourismus eine Entwicklung zu sehen sei, die es aktuell in vielen Branchen gebe und die so zuletzt auch von den Industrie- und Handelskammern angesprochen wurde. „Da geht mit den Babyboomern eine starke Generation aus dem Berufsleben“, erklärt Neidel. Das spiegle sich letztlich auch in den touristischen Immobilienangeboten wider.
Aufgabe aus Altersgründen
Tatsächlich kann Erik Heske, der zusammen mit seiner Frau seit nunmehr fast 30 Jahren das „Hotel am Müritz-Nationalpark“ führt, genau das bestätigen. „Wir beabsichtigen, uns aus Altersgründen zurückzuziehen“, sagt der Architekt, der demnächst 60 wird. Die Kinder seien in anderen Berufen unterwegs, seine Frau wolle sich künftig stärker ihrem Keramik-Atelier widmen, daher die Verkaufsabsicht.
Heske macht kein Hehl daraus, dass es schon mal bessere Zeiten für Hotelverkäufe gab. Interessenten gebe es zwar, die hätten es derzeit aber schwer, bei den Banken die nötige Finanzierung zu bekommen. Falls alle Stränge reißen, könnte sich das Paar auch vorstellen, das Hotel in ein Apartmenthaus für Feriengäste umzuwandeln. Gerade vor dem Hintergrund des Personalmangels sei das eine Option.
Hoteliers müssen Herzblut haben
Den Passenden zu finden, der ein Haus weiterführt, sei in der aktuell gesamtwirtschaftlich eher angespannten Lage kein Selbstläufer, sagt auch Robert Neidel. Der Tourismusverband sei natürlich daran interessiert, weiterhin eine möglichst große Vielfalt von Übernachtungsbetrieben in der Region zu haben, und das in guter Qualität. „Man muss das schon mit Herzblut wollen und machen“, sagt Hotelier Erik Heske. Ein Haus wie das „Hotel am Müritz-Nationalpark“ lebe von Persönlichkeit.