Rene Allonge ist leitender Ermittler des Landeskriminalamts Berlin und dort für Kunstdiebstähle und -fälschungen zuständig. Der 52-Jährige, geboren in Malchin und aufgewachsen in Neubrandenburg, leitet seit 2009 die Abteilung 444. Sein Team enttarnte den berüchtigten Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi und klärte spektakuläre Diebstähle auf – vom Bode-Museum bis zum Grünen Gewölbe.
Vom Matrosen-Traum zur Polizeikarriere
Als Jugendlicher wollte Allonge zur Handelsmarine, doch die Westverwandtschaft verhinderte das in der DDR. Er begann eine Ausbildung zum Vollmatrosen bei der Hochseefischerei in Rostock – mitten in der Wendezeit kündigten die Reedereien den Lehrlingen nach wenigen Tagen. „Als 16-Jähriger war der Traum plötzlich weg“, erinnert er sich. Er machte das Abitur und bewarb sich bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Die Wahl fiel auf Berlin, wo er direkt im gehobenen Dienst eingestellt wurde.
Der Wechsel in die Kunstwelt
Nach Jahren bei der Eigentumskriminalität am Tempelhofer Damm suchte Allonge eine neue Herausforderung. Das LKA suchte einen Chef für die Abteilung Kunstdelikte – eine Spezialeinheit, die es nur noch in Bayern und Baden-Württemberg gibt. „Das war ein ganz neuer Beruf“, sagt er über den Wechsel. Er eignete sich Wissen über Geschichte, Chemie, Physik und Provenienz an. Beim Beltracchi-Skandal 2010 führten die Rückseiten der Bilder mit schlechten Stempeln der Sammlung Flechtheim zu vier Verdächtigen. „Was wir gesehen haben, hätte auch jeder andere sehen können. Das war keine Hexerei“, so Allonge.
Erfolge und der Fall der Grabräuber aus Demmin
Die Abteilung ermittelte in den Diebstählen der Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum und des Schmucks aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Auch der Kunstraub von Schloss Friedenstein in Gotha von 1979 wurde aufgeklärt. Im vergangenen Jahr führte ein Fall Allonge in die alte Heimat: Zwei Grabräuber aus Demmin hatten zahlreiche Plastiken und Bronzen in Berlin gestohlen, auch von Ehrengräbern. Das Landgericht Berlin verurteilte beide zu noch nicht rechtskräftigen Haftstrafen, ein Hehler erhielt eine Bewährungsstrafe. Viele gestohlene Gegenstände, darunter Zaunelemente und Jesus-Figuren, konnten noch keinem Tatort zugeordnet werden.
Allonge betont, dass es ihm nicht um das eigene Ego gehe. Die Abteilung solle sichtbar und ansprechbar sein, auch für Geschädigte aus der diskreten Oberschicht. Seine Arbeit führte ihn bereits nach New York, wo er Yoko Ono traf, um gestohlene Tagebücher von John Lennon zu identifizieren. Den Kontakt zu den Kollegen in der Seenplatte beschreibt er als „totale Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft“. Immer wieder besucht er Verwandte und Freunde in der alten Heimat und schwelgt in Erinnerungen an eine „schöne, unbeschwerte Kindheit“.