Schneise der Verwüstung: Sturm trifft Grabowhöfe und Vielist schwer
Sturm trifft Grabowhöfe und Vielist schwer

Ein kurzes, heftiges Unwetter hat am Freitagabend in der Müritzregion deutliche Spuren hinterlassen. Besonders betroffen sind Grabowhöfe und die umliegenden Orte. Die Bundesstraße 192 bleibt zwischen Penkow und Roez bis Montag gesperrt. Auch die Bahnstrecke Rostock–Berlin war zeitweise blockiert.

Schäden in Grabowhöfe und Umgebung

Am Samstagnachmittag waren in Grabowhöfe noch immer Motorsägen zu hören. Anwohner räumten abgebrochene Äste und Bäume von Straßen und Grundstücken. Das Unwetter habe vielleicht 14 Minuten gedauert, sagte Grabowhöfes Bürgermeister Enrico Malow (parteilos). Er hatte seinen Urlaub in Schleswig-Holstein abgebrochen und war zurückgekehrt, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Viele Bürger hätten ihm Fotos geschickt, berichtete er. Neben Grabowhöfe seien unter anderem Vielist und Baumgarten sowie die Grenzbereiche zur Gemeinde Jabel betroffen.

Auf der Kopfsteinpflasterstraße zwischen Baumgarten und Grabowhöfe zeigte sich am Samstag das Ausmaß des Sturms. Zahlreiche teils massive Bäume waren abgebrochen oder entwurzelt. Von einer „Schneise der Verwüstung“ sprach ein Grabowhöfer, der gemeinsam mit vielen anderen Einwohnern seit dem frühen Morgen die größten Schäden beseitigte.

Auch Dächer wurden beschädigt. Ziegel lösten sich, Garagendächer wurden teilweise abgedeckt. „Wir haben auch Glück gehabt, es hätte schlimmer kommen können. Wichtig ist, dass keinem etwas passiert ist, und alles andere kriegen wir wieder hin“, spricht Enrico Malow den Bürgern Mut zu. Besonders beeindruckt zeigte sich der Bürgermeister vom Zusammenhalt der Einwohner, die sich gegenseitig bei den Aufräumarbeiten unterstützten. Sein Dank gelte ebenso den zahlreichen Helfern und Einsatzkräften.

Tiererlebnispark und Vielist betroffen

Das Unwetter traf auch den Tiererlebnispark in Grabowhöfe. Dort wurde unter anderem das große Zelt im Eingangsbereich weggerissen, das den Besuchern als Schutz vor Regen und Wind diente. Auch die Dromedare standen plötzlich ohne Stall da. „Der stand plötzlich beim Nachbarn im Garten“, berichtete Marita Michelus, die für den Kassenbereich verantwortlich ist. Bis tief in die Nacht wurde im Park aufgeräumt. Am Samstag war zwar bereits vieles beseitigt, dennoch bleibe noch genügend Arbeit.

Nur wenige Kilometer entfernt bot sich in Vielist ein ähnliches Bild. Rund um den Dorfteich waren zahlreiche Bäume entwurzelt oder abgebrochen. Einwohner zogen am Samstag gemeinsam durch den Ort und begutachteten die Schäden. „Das war heftig“, lautete ihr Fazit. Einige fühlten sich an Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 erinnert. „Da sah das hier genauso aus, nur dass diese Bäume hier noch nicht so groß waren, weil sie seitdem erst nachgewachsen sind“, erinnerte sich eine Vielisterin.

Andere dachten an den 11. Juni 2010 zurück, als durch das Sturmtief „Doris“ ein Tornado schwere Schäden in der Müritzregion hinterließ und unter anderem eine Windschneise von Waren bis Röbel und nahe der A19 bis Malchow verursachte. Ob es sich auch am Freitagabend tatsächlich um einen Tornado oder dessen Ausläufer gehandelt hat, war zunächst allerdings nicht bestätigt.

Einsätze der Feuerwehr und gesperrte Straßen

Die Freiwillige Feuerwehr Waren wurde nach Angaben ihrer Sprecherin Eileen Bensch am Freitag um 20.11 Uhr alarmiert. Insgesamt arbeiteten die Kameraden bis 2.30 Uhr am Samstagmorgen 13 Einsätze ab. Rund 28 umgestürzte oder beschädigte Bäume beschäftigten die Helfer im Stadtgebiet, auf Landstraßen und an Bahnstrecken. 31 Einsatzkräfte der Warener Feuerwehr sowie fünf THW-Helfer mit drei Fahrzeugen waren beteiligt. Auch am Samstag gingen die Einsätze weiter, unter anderem wegen mehrerer Bäume im Jabler Kanal. Die Warener Drehleiter wurde ebenfalls mehrfach benötigt und war noch am Samstagnachmittag im Einsatz.

Besonders aufwendig war ein Einsatz auf der Bahnstrecke Rostock–Berlin. Nachdem ein Baum auf die Gleise gestürzt war, mussten nach Angaben der Feuerwehr 135 Reisende aus einem Zug betreut beziehungsweise in Sicherheit gebracht werden. Drei Erwachsene und zwei Kinder wurden verletzt, zudem waren Reisende dehydriert. Für die Personenrettung kamen unter anderem zwei Loren – kleine schienengebundene Arbeits- und Transportfahrzeuge – zum Einsatz. Beteiligt waren neben der Feuerwehr Waren und der Führungsgruppe des Amtes Seenlandschaft Waren auch THW, Bundespolizei, Rettungsdienst sowie die Feuerwehren Vielist und Grabowhöfe. Am Bahnhof Waren stand ein Sanitäts- und Betreuungszug bereit.

Die B 192 ist zwischen Penkow und Roez seit Freitagabend voll gesperrt. Die Sperrung soll bis Montag aufrechterhalten werden, weil eine Fachfirma mit der Begutachtung und Beräumung der Sturmschäden an den Bäumen beauftragt werden müsse. „Erst dann kann über eine Freigabe der Straße entschieden werden“, teilte die Polizei mit. Nach Polizeiangaben waren gegen 20.45 Uhr zunächst mehrere umgestürzte Bäume gemeldet worden. Bei den Aufräumarbeiten entdeckten die Einsatzkräfte weitere schwer beschädigte und instabile Alleebäume.

Einschränkungen gibt es zudem auf einigen Nebenstraßen. Nach Angaben von Jabels Bürgermeister Johannes Güssmer ist unter anderem die Verbindungsstraße zwischen Jabel und Grabowhöfe gesperrt. An einer Stelle wurde die Pflasterung beschädigt, außerdem seien weitere Bäume am Straßenrand weggebrochen. Gerade für Lastwagen sei die Strecke deshalb derzeit zu gefährlich.