Die EU-Kommission will die Ausnahme für die passive Heringsfischerei in der westlichen Ostsee ab 2027 streichen. Das stößt bei Fischereiverbänden und in Mecklenburg-Vorpommern auf scharfe Kritik.
Ausnahme soll 2027 wegfallen
Bislang dürfen Fischer in der westlichen Ostsee, die an Deutschland grenzt, Hering weitgehend nicht gezielt fangen. Eine Ausnahme gilt für diejenigen, die passiv in Küstennähe fischen, etwa mit Stellnetzen. Diese Ausnahme soll nach dem Vorschlag der Kommission 2027 entfallen.
Betroffen wäre vor allem die kleine Küstenfischerei, die den Großteil der deutschen Ostseefischer stellt.
Verbände und Minister kritisieren Pläne
Ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes sagte: „Die kleine handwerkliche Fischerei komplett zu verbieten und die Ausnahmegenehmigung für die passive Fischerei für diese verhältnismäßig geringe Menge zu streichen, wäre das absolut falsche Signal.“ Die entnommenen Mengen seien für die Bestandsentwicklung des westlichen Herings unerheblich, für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Betriebe aber von großer Bedeutung.
Agrarminister Till Backhaus (SPD) äußerte sich ebenfalls kritisch: „Es wäre unverhältnismäßig, die ohnehin minimale Heringsquote unserer kleinen Küstenfischerei weiter zu kürzen, während ein erheblicher Teil der Fänge auf denselben Bestand im Skagerrak und in der Norwegenrinne erfolgt.“
Beifang-Regelung soll verschärft werden
Die EU-Kommission hat zudem vorgeschlagen, die Beifang-Regelung zu verschärfen. Auch die Zuteilungen unvermeidbarer Beifänge von Dorsch in der westlichen und östlichen Ostsee sollen deutlich sinken.
Die Kommission erarbeitet jedes Jahr auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung Vorschläge, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf. Die endgültigen Mengen legen jedoch die Fischereiministerinnen und -minister der EU-Länder fest. Sie müssen sich nicht an die Empfehlungen der Kommission halten. Ende Oktober befassen sie sich mit dem aktuellen Vorschlag.