In der Marienkirche in Waren haben sich am Donnerstagmittag Familie, Wegbegleiter und viele Warener versammelt, um Abschied von Dr. Helga Weckert zu nehmen. Uta Lück eröffnete die Trauerfeier mit den Worten: „Wir sind heute hier zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von einer Frau, die für viele Menschen in Waren mehr war als nur ihre Ärztin: Dr. Helga Weckert.“ Die stadtbekannte Gynäkologin starb am 22. August im Alter von 89 Jahren.
Ein Leben für die Geburtshilfe
Helga Weckert begleitete über Jahrzehnte unzählige Frauen medizinisch und half vielen Kindern auf die Welt. Dass Babys sich selten an Arbeitszeiten halten, gehörte zu ihrem Leben. Klingelte nachts das Telefon, fuhr sie mit ihrer Schwalbe los. Ihr Weg in die Medizin war nicht selbstverständlich: 1956 erhielt die Tochter eines Sägewerksbesitzers die Zulassung zum Medizinstudium. Eigentlich wollte sie Chirurgin werden. Doch nachdem ihr erstgeborener Sohn Thomas 1963 unmittelbar nach der Geburt starb, entschied sie sich für die Gynäkologie, um anderen Frauen solches Leid zu ersparen.
Nach dem Studium arbeitete sie zunächst auf dem Land, später jahrzehntelang am Krankenhaus Waren. Mit der Wende sollte ihre Laufbahn enden: Mit 54 Jahren wurde ihr der Vorruhestand nahegelegt. Doch Helga Weckert entschied sich für einen Neuanfang mit ihrem Team, denn ohne ihr Team, davon war sie überzeugt, war sie nichts. Gemeinsam mit ihrem Mann und elf weiteren Ärzten entstand das Ärztehaus Am Kietz, in dem sie ihre eigene Praxis führte.
Engagement und Heimatverbundenheit
Humor gehörte ebenso zu ihr wie ihre Liebe zur plattdeutschen Sprache. Sie schrieb selbst Gedichte, engagierte sich nach ihrem Berufsleben vier Jahre im Warener Stadtparlament und blieb ihrer Heimat eng verbunden. Ihr Lieblingsplatz soll die Feisneck gewesen sein. Uta Lück sagte während der Trauerfeier: „Ich persönlich habe in den Gesprächen zur Vorbereitung nur gute Erinnerungen und hochachtungsvoll von ihr gehört.“
Für die Familie war es bereits der zweite schwere Abschied innerhalb kurzer Zeit. Nur 20 Tage zuvor hatte sie Helga Weckerts Ehemann Dr. Heinz Weckert auf seinem letzten Weg begleitet. Der langjährige Warener Chirurg war am 28. Juli im Alter von 90 Jahren gestorben. Seine Kindheit war von der Flucht aus Breslau geprägt. Später studierte er Medizin, wurde Chirurg am Warener Krankenhaus und ließ sich nach der Wende ebenfalls in eigener Praxis nieder. Gemeinsam mit seiner Frau gehörte er zu den Initiatoren des Ärztehauses Am Kietz.
Abschied mit einem vertrauten Lied
Mehr als sechs Jahrzehnte waren Helga und Heinz Weckert verbunden. Sie arbeiteten, reisten und verbrachten viel Zeit auf den heimischen Seen. Mit der „Rosinante“ und später der „Rosinante 2“ war die Familie unterwegs. Später führten Reisen das Ehepaar unter anderem nach Kanada, Jordanien und Australien. Am Donnerstag stand jedoch Helga Weckert im Mittelpunkt: Ärztin, Mutter, Groß- und Urgroßmutter, Schwester und Tante – und eine Frau, an die viele Warener ihre ganz eigenen Erinnerungen haben. Zum Abschied sang die Trauergemeinde „Der Mond ist aufgegangen“ – jenes Lied, das Helga Weckert ihren drei Töchtern Christiane, Sabine und Sandra früher jeden Abend vorgesungen hatte.