Hannes Giese aus Paarsch bei Parchim hat ein Buch über die Angst geschrieben, sein ungeborenes Kind zu verlieren. Der 35-jährige Altenpfleger veröffentlichte „Die Nacht vor der OP“ im Juni über Amazon. Das Werk ist autobiografisch inspiriert und schildert die Risikoschwangerschaft seiner Frau Marie.
Die Diagnose, die alles veränderte
Im Januar des Vorjahres erfuhr das Paar, dass Marie schwanger war. Doch im Februar stellte der Frauenarzt Auffälligkeiten an der Gebärmutter fest. Nach einer Feindiagnostik in Schwerin folgte die Diagnose: eine vermeintliche Blasenmole, eine Gewebewucherung. Die Ärzte planten eine Operation zur Beendigung der Schwangerschaft. „So viel geweint wie in dieser Zeit hab’ ich in meinem ganzen Leben nicht“, erinnert sich Hannes Giese.
Doch der Chefarzt der Klinik sah den Fall anders. Er erkannte das Klippel-Trénaunay-Syndrom, eine Gefäßanomalie, und riet zu einer Behandlung an der Charité in Berlin. Das Paar pendelte fortan zwischen Paarsch und Berlin. Ende August kam der Sohn vier Wochen zu früh zur Welt – mit 3000 Gramm und 50 Zentimetern. „Ein Berliner also. Vier Wochen zu früh, aber mopsfidel“, sagt der Vater.
Vom Schreiben zur Veröffentlichung
Die Erlebnisse ließen Hannes Giese nicht los. Statt einer Therapie wählte er das Schreiben. „Das arbeite ich selbst im Buch auf“, erklärt er. Versuche mit künstlicher Intelligenz scheiterten, also schrieb er abends von Hand. Nach drei Wochen war das Manuskript fertig. Seit Juni ist es als Taschenbuch, Hardcover und E-Book erhältlich. 50 Exemplare hat er bereits verkauft.
Der Altenpfleger betont, dass es ihm nicht ums Geld geht. Sein Beruf sei anspruchsvoll: „Der Job ist hart, körperlich und seelisch. All diese Schrecklichkeiten, die man als Pfleger erlebt, muss man abkönnen.“ Er arbeitet seit 16 Jahren in dem Beruf und beobachtet Veränderungen: Immer mehr Bewohner litten an Demenz oder Schizophrenie.
Zukunftspläne und ein zweites Buch
Trotz der Belastungen liebt Hannes Giese seinen Job. Zu Hause erfüllt sich die Familie Träume: Sie zogen von Plate nach Paarsch und hoffen auf den Kauf ihres Hauses. Ein zweites Kind ist gewünscht, aber nicht Bedingung für das Glück. Am 20. August erscheint sein zweites Buch „Hertas Afrika“, ein humorvoller Familienroman über Pflege, Liebe und Afrika. Vier Bände sind geplant. „Die sind schon alle in meinem Kopf“, sagt er.