Schwalben und Schmetterlinge schwirren über einer Blühwiese bei Ollendorf, während der benachbarte Weizenacker still und leblos wirkt. Die jungen Landwirte Antony Jeschke und Georg Wenz haben auf 2,2 Hektar Ackerland eine Blühwiese angelegt, die sie über Patenschaften finanzieren. Bereits 15 Patenschaften sind zustande gekommen, auch ein Verein aus dem Dorf beteiligt sich.
Vom Abitur zum Acker
Antony Jeschke bewirtschaftet bei Ollendorf knapp 100 Hektar Land – konventionell und ökologisch. Seit 2022, nach seinem Abitur, bewirtschaftet er seine erste eigene Fläche. Während seines Studiums der Agrarwirtschaft an der Hochschule Neubrandenburg erweiterte er den Betrieb. „Als Landwirt kommt man an Umweltschutz nicht vorbei“, sagt der 23-Jährige.
Mit seinem Schulfreund Georg Wenz, der auf Ökobetrieben gelernt hat, entwickelte er die Idee der Blühpatenschaften. Eine komplette Umstellung auf Öko-Landbau sei finanziell nicht machbar, so Jeschke. Stattdessen wollen sie Schritt für Schritt nachhaltiger wirtschaften.
Patenschaften als Finanzierung
Blühwiesen entstehen nicht von selbst, sie müssen angelegt und gepflegt werden. Ein EU-Förderprogramm sei ausgelaufen, erklärt Georg Wenz. Deshalb sammeln die Landwirte Spenden über Patenschaften. Paten können Parzellen für ein Jahr oder länger erwerben, sie dürfen die Fläche besuchen, erhalten Fotos vom Entwicklungsstand und Honig von den Bienen der Wiese.
Die Fläche liegt im Trinkwassereinzugsgebiet von Ollendorf. „Auf Blühwiesen wird kein Dünger und keine Pflanzenschutzmittel verteilt, die ins Grundwasser gelangen könnten. Also trägt die Fläche nicht nur zum Artenschutz, sondern auch zum Gewässerschutz bei“, sagt Jeschke. Ollendorf hat ein eigenes Wasserwerk.
Positive Effekte für Dorf und Klima
Das Projekt findet Anklang im Dorf. „Wir wollen der Region, in der wir aufgewachsen sind, etwas zurückgeben“, sagt Jeschke. Anrainer berichten, dass Pflanzen in ihren Gärten gedeihen, die sonst nie Fuß gefasst haben. Die Blühwiese wirkt auch auf das Klima: „In der großen Hitze Ende Juni war es dort ein paar Grad kühler als über dem Feld nebenan“, berichtet Georg Wenz.
Für das Saatgut haben die Landwirte lange getüftelt, damit fast das ganze Jahr etwas blüht. Im kommenden Jahr sollen weitere Blühwiesen entstehen. Antony Jeschke plant zwölf Meter breite Blühstreifen neben seinen Feldern und Lerchenfenster – etwa 20 Quadratmeter große Lücken im Getreide, die Vögeln als sichere Lande- und Startplätze dienen. Dafür werden weitere Paten gesucht. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.bluehwiesen-mv.de.