Holdseelen: Vom Rittergut zur Wüstung – Spuren der Geschichte
Holdseelen: Vom Rittergut zur Wüstung

Das Rittergut Holdseelen ist vollständig verschwunden. Von dem einstigen Herrenhaus sind heute nur noch Fundamentreste zu sehen. Der Gutsteich existiert weiterhin und ist als Biotop geschützt.

Lage und heutige Nutzung

Holdseelen liegt zwischen Steesow und Zuggelrade, südwestlich von Grabow und wenige Kilometer nördlich von Lenzen an der Elbe. Ein Dorf steht dort nicht mehr. Der Name bezeichnet heute eine Gemarkung, eine aufgegebene Siedlungsstelle und das Gelände eines früheren Rittergutes.

Die Gemarkung ist 2,89 Quadratkilometer groß und in 116 Flurstücke geteilt. Im Süden verläuft der Göbengraben. Der größte Teil der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, Wald gibt es vor allem im Norden und am früheren Gutshof. Eine Straße führt durch das Gebiet; an ihr lag einst das Gut.

Historische Zugehörigkeit und Namensherkunft

Holdseelen gehört heute zur Stadt Grabow im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Historisch weist der Ort aber stärker in Richtung Prignitz. Lenzen liegt näher als Grabow, die brandenburgische Grenze ist nicht weit entfernt. Bis 1952 gehörten Steesow, Bochin und Zuggelrade zum Landkreis Westprignitz. Erst die DDR-Kreisreform brachte die Orte zum Kreis Ludwigslust und damit zum Bezirk Schwerin.

Der Name reicht deutlich weiter zurück. Holdseelen wird mit dem mittelalterlichen Namen Sehlen verbunden, möglicherweise abgeleitet vom slawischen „Selin“. Später kam offenbar ein Zusatz hinzu, der auf Waldnutzung verweist. In alten Erklärungen taucht die Form „Im Siel Holtz“ auf. Daraus entwickelte sich über die Zeit der heutige Name.

Vom Dorf zum Rittergut

Bevor hier ein Rittergut bestand, lag an dieser Stelle ein mittelalterliches Dorf. Es war slawisch geprägt und wurde vor der Mitte des 17. Jahrhunderts aufgegeben. Solche verlassenen Siedlungen werden als Wüstungen bezeichnet. In Holdseelen verschwand das Dorf, der Gutssitz blieb.

Vor 1545 gehörte Holdseelen der Familie von Kruge und wurde von Pröttlin und Deibow aus verwaltet. Ab 1546 war das Gut lange mit der Herrschaft Pröttlin verbunden und gehörte zur Familie von Blumenthal. Sie nutzte Holdseelen als ritterschaftlichen Sitz. Später wechselten die Eigentümer mehrfach. Genannt werden unter anderem Familien aus Havelberg, die Freiherren von Plotho und zuletzt die Familie Otto Heike.

Herrenhaus und heutige Spuren

Das Rittergut hatte eine Fläche von rund 210 Hektar. Dazu gehörten Ackerflächen, Wirtschaftsgebäude und ein Herrenhaus. Dieses stand am Ende einer Kopfsteinpflasterstraße, die von Torpfeilern gefasst war. Solche Zufahrten prägten viele Gutshöfe der Region: Sie führten vom Weg auf den Hof und markierten den Zugang zum Herrenhaus.

Nach 1945 wurde Holdseelen wahrscheinlich aufgegeben. Das Herrenhaus stand lange leer und verfiel. 1998 wurde ein großer Teil der Ruine abgebrochen, später verschwand auch der Rest. Vor Ort sind noch Fundamentreste früherer Gebäude erhalten. Der alte Gutsteich existiert ebenfalls noch und ist heute als Biotop geschützt.

Verwaltungsgeschichte und archäologische Funde

Auch verwaltungsgeschichtlich wechselte Holdseelen mehrfach die Zugehörigkeit. Seit 1931 gehörte der Ort zu Bochin, zunächst als Wohnplatz. 1964 wurde Holdseelen als Ortsteil geführt. 1972 kam Bochin zur Gemeinde Steesow.

Am 1. Januar 2016 wurde Steesow nach Grabow eingemeindet. Dadurch entstand eine ungewöhnliche Lage: Steesow, Bochin, Zuggelrade und Holdseelen haben keine gemeinsame Grenze mit dem übrigen Grabower Stadtgebiet. Sie bilden eine Exklave. Im selben Jahr gab es außerdem einen kleinen Gebietstausch zwischen Holdseelen und Krinitz in der Gemeinde Milow. Betroffen waren 14 Flurstücke.

Aus der Umgebung sind ältere Funde bekannt. In den frühen 1830er-Jahren wurden bei Feldarbeiten auf einem Gutsacker ein zweischneidiges Schwert und ein fast 100 Pfund schweres Gefäß entdeckt. Das Gefäß bestand aus grober, gebrannter roter Ziegelerde. Zeitgenossen ordneten die Stücke einer vorchristlichen Zeit zu.

Das Schwert gilt heute als verschollen. Die Funde zeigen aber, dass die Gegend lange vor dem Rittergut genutzt wurde. Holdseelen ist heute kein Ort mit Schloss, Park und Wohnhäusern. Sichtbar sind vor allem Ackerflächen, Wege, Fundamentreste und der geschützte Gutsteich.