Auf dem Kartoffelacker wurde Klartext gesprochen. Bei der alljährlichen Erntebereisung des Landesbauernverbands stellten sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Landwirtschaftsminister Till Backhaus den Fragen der Landwirte in Hagenow, Vielank und Neu Kaliß.
Vielanker Schweine laufen auf Stroh
Auf dem Gut Rögnitztal der Familie Petersen in Vielank leben über 5000 Schweine, davon 420 Sauen. Alle Tiere werden auf dem Hof geboren und bleiben dort bis zur Schlachtreife. „Dann sind sie etwa 120 Kilogramm schwer. Und da sie bei uns in den Außenbereichen auf Stroh laufen, sind sie als Vielanker Strohschweine bekannt“, erklärt Anette Petersen. Der aktuelle Erzeugerpreis für Schweinepreis liegt laut Geschäftsführer Jens Petersen bei etwa 1,40 Euro pro Kilogramm. „Dafür können wir nicht produzieren. Damit kann ich gerade mal das Futter für die Tiere bezahlen.“ Der Familienbetrieb habe das große Glück, dass ihr Fleisch von der Warenhauskette Famila gekauft wird. Eine Bedingung war die Außenhaltung der Tiere, wofür der Betrieb die Ställe aufwändig umbaute. „Dafür bekommen wir aber auch etwas über zwei Euro für das Kilo, und damit können wir leben“, so Petersen.
Die Tiere leben auf Gut Rögnitztal in Haltungsstufe 4. Das bedeutet unter anderem, dass sie dauerhaft oder regelmäßig Zugang zu Freiluft, Auslauf oder Weide haben. Die Anforderungen an das Tierwohl und die Ställe sind vor allem mit hohen Kosten verbunden. „Außerdem gibt es von verschiedenen Seiten auch verschiedene Anforderungen. Da wäre eine einheitliche Regelung wünschenswert“, so Anette Petersen. Tochter Wiebke, die gemeinsam mit ihrem Vater die Geschäftsführung innehat, begrüßte den Besuch der Politiker auf ihrem Hof. „Es ist gut, dass wir Themen und Probleme direkt ansprechen können. Auch wenn es sicher noch viel mehr gibt, worüber man mal reden müsste.“
Kartoffelmarkt ist zu voll
Diese Gelegenheit nutzte auch Jannika Felske, Prokuristin der Agrargenossenschaft Neu Kaliß. Auf einem Feld kurz vor Dömitz besuchten die Politiker und Gäste die Landwirte bei der Kartoffelernte. „Die Kartoffel ist unser Steckenpferd, aber der Markt ist aktuell einfach zu voll.“ Seit einer Woche läuft die Kartoffelernte. „Aber mit angezogener Handbremse. Aktuell bringen wir etwa 75 Tonnen Kartoffeln täglich zur Kartoffelveredelung nach Hagenow, aber es war auch schon mal doppelt oder sogar dreifach so viel“, erklärt Henning Felske, Vorsitzender der Genossenschaft.
Aktuell produzieren so viele Betriebe in Europa Kartoffeln, dass unter anderem die Neu Kalisser für ihre Knollen viel weniger Geld bekommen. „Dazu kommen die katastrophalen Milchpreise, viele bürokratische Hürden, die Fördermittel werden weniger. Es kommt alles zusammen“, so Jannika Felske. Dankbar seien sie in diesen Zeiten vor allem den Gemeinden und Bürgermeistern in der Region. „Sie verpachten das Land an uns und andere lokale Landwirte, statt die Flächen auszuschreiben. Und untereinander nehmen wir uns die Flächen nicht weg, das bringt viel Ruhe in unsere Arbeit“, erklärt Henning Felske.
Verständnis füreinander wichtig
Für Karsten Trunk ist die Erntebereisung, die traditionell einmal im Jahr stattfindet, ein wichtiges Format. „Die Landwirtschaft ist systemrelevant und in vielen Punkten eng mit der Politik verbunden. Und deswegen ist das gegenseitige Verständnis so wichtig“, erklärte der Vorsitzende des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern. „Im direkten Kontakt können wir Themen und Probleme ansprechen, wie zum Beispiel hohe Energiekosten oder die Marktverwerfungen. Und die werden dann hoffentlich auch auf Landesebene besprochen.“
Manuela Schwesig, die eine Runde auf dem Kartoffelroder mitfahren durfte, zeigte sich beeindruckt von der Arbeit vor Ort. „Wir müssen unsere Landwirte unterstützen. Denn sie sorgen mit harter Arbeit dafür, dass wir Lebensmittel aus der Region bekommen. Unter Einhaltung der Umweltstandards und des Tierwohls. Und das kostet eben Geld.“ Agrarförderungen der EU seien daher unabdingbar.