Für die gesperrte Herrenseebrücke in Waren stehen die Tage der Entscheidung an. Anfang kommender Woche werden bei einem Schwerlasttest tonnenschwere Gewichte auf die alternde Brücke gefahren. Die Spezialtechnik ist bereits am Freitagvormittag in Waren angekommen und hat auf der Nordseite Stellung bezogen.
Technik und Vorbereitung
Rund 20 Transportfahrzeuge hatten sich auf den Weg nach Waren gemacht, um Gewichte, Spezialfahrzeuge und einen Kran in den nördlichen Sperrbereich der Herrenseebrücke zu bringen. Die Belastungstests finden in der Nacht zum 18. August sowie in der Folgenacht zum 19. August statt. Die Stadt Waren erinnert daran, dass es dann wieder zu nächtlichen Sperrungen der Bundesstraße 192 (Schweriner Damm) von 22 bis 5 Uhr kommt. Während der Tests ist der Arbeitsbereich ausgeleuchtet, und es kann zu Lärm kommen.
Während der Durchführung der Versuche werden im Arbeitsbereich der Brücke Kran- und Schwerlastarbeiten durchgeführt. An- und Abfahrtsverkehr wird es ebenfalls geben.
Logistik und Fahrzeuge
Michael Däbritz von der Firma Daebritz Baukonzept ist für die Logistik zuständig. Er führt die Transporte im Auftrag des Ingenieurbüros MKP aus, das den Brückentest verantwortet. Die selbstfahrenden Module und die tonnenschweren Gewichte waren noch in dieser Woche in Dresden im Einsatz. Dass der Logistiker binnen weniger Tage die Spezialtechnik zum nächsten Brückentest bringen muss, sei aber eher ein Zufall.
Die je zehn Tonnen schweren Klötze aus Stahlbeton, die am Freitag an der Herrenseebrücke gestapelt wurden, sind normale Krangewichte. Die Spezialfahrzeuge der Firma Fahrenholz sind Sechsachser, die mehr oder weniger nur aus Rädern und einer Transportplattform bestehen und etwa im Offshore-Bereich oder beim Bau großer Brücken eingesetzt werden. Vier dieser mobilen Plattformen wurden in Waren angeliefert. Sie sollen gekoppelt als je zwei Fahrzeuge mit dann zwölf Achsen über die Brücke rollen. Jedes dieser Fahrzeuge wiege dann 53 Tonnen, dazu kämen 300 Tonnen Gewichte. Insgesamt würden also mehr als 400 Tonnen über die Brücke geschickt, falls alles zum Einsatz kommt.
Zeitplan und Hintergrund
Rückbau und Rücktransport der Versuchsanordnung sind für den 19. und 20. August geplant. Auf der Nordseite der Brücke sei daher wieder mit Verkehrseinschränkungen im Falkenhäger Weg, in der Bahnhofstraße, in der Malchiner Straße und im Kreisverkehr Nordstadt zu rechnen, heißt es von der Stadt.
Die Herrenseebrücke in Waren wurde Ende November vorigen Jahres gesperrt, nachdem Schäden an dem Bauwerk entdeckt worden waren. Seither wurden Sensoren und umfangreiche Messtechnik an der Brücke angebracht. Ob die Brücke für den Verkehr, eventuell auch mit Einschränkungen, wieder freigegeben werden kann, soll der Belastungstest zeigen.
Hoffnung können den Warenern und Pendlern aus der Region dabei machen, dass es zuletzt bereits gute Erfahrungen mit solchen Versuchen auf Brücken in Deutschland gab. So wurde erst in dieser Woche in Dresden eine geschädigte Brücke mit Schwerlastfahrten geprüft. Der Test sei erfolgreich verlaufen, wobei Daten aber noch ausgewertet würden, teilte die Stadt Dresden mit. Zudem wurde in einem ähnlichen Fall im Vorjahr die Elbbrücke in Bad Schandau (Sachsen) einem Schwerlasttest unterzogen. Das Bauwerk konnte danach sogar wieder für Fahrzeuge bis zu 30 Tonnen Gewicht freigegeben werden.