Sturmgewehr-Skandal: Waffenexperte aus Güstrow vor Gericht
Sturmgewehr-Skandal: Waffenexperte vor Gericht

Am Landgericht Schwerin startet in der kommenden Woche der Prozess gegen einen Waffenexperten aus Güstrow. Der 59-Jährige ist angeklagt wegen Kriegswaffenbesitz, versuchter Strafvereitelung, Anstiftung zum Diebstahl und Hehlerei. Mitangeklagt ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Waffenbehörde im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Schießtrainer vor, 2018 von einem sächsischen Polizisten rund 7000 aus der Waffenkammer gestohlene Patronen im Wert von 3.680 Euro als Gegenleistung für ein „nicht dienstlich veranlasstes“ Schießtraining erhalten zu haben. Die Behördenmunition soll er später weiterverkauft oder selbst verwendet haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er wusste, dass der Polizist die Munition „unberechtigt“ beschafft hatte.

Verbindung zu Nordkreuz und SEK

Der Vorwurf der Strafvereitelung steht im Zusammenhang mit dem als rechtsextrem eingestuften Prepper-Netzwerk Nordkreuz und rechtsextremen Umtrieben in einer Einheit des Spezialeinsatzkommandos der Landespolizei. Bei einem ehemaligen SEK-Beamten waren von der unteren Waffenbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim zehn Patronen Doppelkernmunition für ein Sturmgewehr „wegen unsachgemäßer Lagerung“ sichergestellt worden. Der Behördenmitarbeiter habe die Munition, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt, 2017 an den Schießtrainer abgegeben – laut Anklage, um Beweismittel verschwinden zu lassen und eine Bestrafung des Polizisten zu verhindern.

Hintergrund und Verfahren

Die angeklagten Fälle liegen etwa neun Jahre zurück. Der Waffenexperte soll zeitweise Kontakte zur Nordkreuz-Gruppierung gehabt haben. Nachdem bekannt wurde, dass Mecklenburg-Vorpommerns damaliger Innenminister Lorenz Caffier eine Pistole von ihm erworben hatte, trat der CDU-Politiker 2020 zurück. Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird Anfang September gerechnet.