ADAC-Test: 62 Prozent der Autobahn-Toiletten in MV fallen durch
ADAC-Test: 62 Prozent der Autobahn-WCs in MV fallen durch

Laut einer aktuellen ADAC-Studie fallen in Mecklenburg-Vorpommern 62 Prozent der Autobahn-Toiletten an unbewirtschafteten Rastplätzen im Sauberkeitstest durch. Reisende berichten von beißendem Uringeruch, fehlendem Toilettenpapier und leeren Seifenspendern.

Urlauber berichten von unzumutbaren Zuständen

An einem klassischen An- und Abreisetag herrscht an den Rastplätzen der A20 Hochbetrieb. Anja Hoops, die mit ihrer Familie nach Rügen will, macht am Rastplatz Brohmer Berge Halt. Ihr Urteil über die Toiletten: „Eklig.“ Sie beschreibt einen beißenden Uringeruch, Toilettenpapier auf dem Boden, dreckige Toilettenbürsten und Stockflecken an den Fugen. Die Frau aus Riesa vermutet: „Es wird zu wenig saubergemacht. Zu wenig Personal, denke ich. Und die, die auf Toilette gehen, achten nicht auf Sauberkeit.“

Auch andere Reisende äußern sich ähnlich. Am Rastplatz Vier-Tore-Stadt sind die Toiletten zwar optisch in Ordnung, doch die Berlinerinnen Franziska Borkmann und Ulrike Böhme bemängeln fehlendes Wasser zum Händewaschen und den beißenden Uringeruch.

Autobahn GmbH nennt unsachgemäße Nutzung als Ursache

Betrieben werden die Autobahntoiletten von der bundeseigenen Autobahn GmbH. Ein Sprecher erklärt, die Anlagen würden mit Fremdpersonal zweimal täglich gereinigt, im Sommer bei stark frequentierten WCs sogar dreimal. Die größten Herausforderungen resultierten „im Wesentlichen aus der unsachgemäßen Nutzung der Anlagen durch einige wenige Verkehrsteilnehmer“. Ein Reisebus könne eine gerade gereinigte Anlage so aussehen lassen, als wäre sie Tage nicht sauber gemacht worden.

Ronald Normann, Direktor der Autobahn GmbH Nordost, sieht Nachbesserungsbedarf. Die Reinigungsintervalle müssten verkürzt werden. Doch er betont: „Das muss auch bezahlt werden. Und das Geld ist dafür nicht da.“ Die Mittel stammen aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums. Zudem sei es schwer, Personal zu finden.

Zahlen und Hintergründe zum Zustand der Anlagen

An den Autobahnabschnitten in Mecklenburg-Vorpommern gibt es 38 unbewirtschaftete Rastplätze mit 90 Toiletten. Hinzu kommen elf von Unternehmen wie Tank&Rast betriebene Raststätten, die zwar sauberer sind, aber nicht kostenlos genutzt werden können.

Laut der ADAC-Studie hat sich der Zustand der WCs an Autobahn-Raststätten in den vergangenen vier Jahren bundesweit verschlimmert. Knapp zwei Drittel der Anlagen verschlechterten sich, nur acht Prozent verbesserten ihr Ergebnis. 92 Prozent der Befragten ist die Sauberkeit der Toiletten besonders wichtig. In der Kategorie Sauberkeit fallen 62 Prozent der Anlagen durch. Mecklenburg-Vorpommern schneidet zwar besser ab als der Bundesdurchschnitt, doch ein „sehr gut“ erhält hier keine Rastplatztoilette. Christof Tietgen vom ADAC sagt: „Oftmals fehlt es an funktionierenden Seifenspendern. Das Toilettenpapier ist gerne alle. Die Sachen sind kaputt oder funktionieren nicht. Da muss nachgearbeitet werden.“ Getestet wurde im weniger frequentierten März dieses Jahres.

Beata, die mit ihrer Familie aus Polen zurückkommt und nach Dortmund will, macht ihre erste Pause in Deutschland am Rastplatz Peenetal Nord. Ihr Urteil: „Es ging, aber es stinkt.“ Im Vergleich zu Polen stellt sie fest: „Wenn Sie ein paar Kilometer nach Polen fahren, ist es deutlich besser als hier. In Spanien, in Italien ist es schon deutlich besser.“ Ronald Normann sieht die Autofahrer in Mitverantwortung: „Ich glaube, keiner geht privat zu Hause so mit den Toiletten um wie mit unseren Anlagen.“

Nach Angaben der Autobahngesellschaft sind bundesweit eine halbe Milliarde Euro erforderlich, um den Zustand der Autobahn-Rastplätze zu verbessern. Neue Toilettengebäude sollen künftig bundesweit standardisiert gebaut werden. Für Neubauten und Sanierungen komme ein modularer Gebäudetyp zum Einsatz. Die Vorteile: geschlossene Kabinenbauweise, Dämmung sowie eine pflegeleichte Innenausstattung.