Bei Arbeiten auf dem Gadebuscher Schlossberg sind Fachleute auf weitere archäologische Spuren gestoßen. Im östlichen Schlossanbau wurden Mauer- und Fundamentreste entdeckt. Die Mauer weist eine Stärke von 1,10 Meter auf.
Massive Mauer aus dem Mittelalter?
Björn Rauchfuß von der AIM-V Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern GmbH spricht von einer sehr massiven Mauer: „Sie hat einen Durchmesser von 1,10 Meter. Die Mauer wird aufgrund ihrer Stärke und Ausprägung wahrscheinlich zu einem Vorgängerbau gehört haben.“ Es könnte sich um Reste der mittelalterlichen Burg handeln. „Mehr werden wir aber erst wissen, wenn wir den Bereich großflächig ausgegraben haben. Dann ergibt sich ein Gesamtbild“, sagt Rauchfuß. Er geht davon aus, dass weitere archäologische Befunde zum Vorschein kommen.
Torhaus auf dem Schlossberg
Nach den Worten von Hans-Christoph Struck vom Gadebuscher Schlossverein stand in dem Fundbereich einst ein Torhaus, wie aus Archivunterlagen hervorgeht. Ob die Mauer- und Fundamentreste von eben jenem Torhaus stammen, ist noch nicht klar.
Frühere Sensationsfunde
Es ist nicht das erste Mal, dass bei Arbeiten auf dem Gadebuscher Schlossberg archäologische Spuren entdeckt wurden. Im Jahr 2024 stießen Mitarbeiter des Schweriner Unternehmens TuK Tief- und Kulturbau auf eine historische Warmluftheizung. „Sie stammt nach dem vorläufigen Kenntnisstand aus dem 14. Jahrhundert“, sagte damals Isabel Auer von der AIM-V Archäologie. Die Anlage wies eine erhaltene Größe von etwa 3,5 Metern Länge, 1,5 Metern Breite und rund 90 Zentimetern Höhe auf. Befeuert wurde sie mit Holz, Feldsteine auf Gewölben dienten als Hitzespeicher.
Nur wenige Monate später folgte ein weiterer Fund: Bauarbeiter stießen etwa 70 Zentimeter unter der Erdoberfläche auf die Reste des Burgturms. Nach Angaben der AIM-V Archäologie hatte der unterste Teil des Bergfrieds einen Durchmesser von etwa zehn Metern. Der Turm verfügte über vier oberirdische Geschosse und war das höchste Gebäude der Burganlage. In den oberen Geschossen befanden sich Geschütze, der Keller wurde vermutlich als Gefängnis genutzt.
Die Funde werden vermessen, kartiert und fotografiert. Die Daten dienen dazu, einen kompletten Lageplan der vorhandenen und teils nicht mehr sichtbaren Gebäudereste auf dem Burg- und Schlossareal zu erstellen. Der Bergfried wurde etwa 40 Meter weiter westlich als vermutet entdeckt – nur wenige Meter von der sanierten Remise. Hans-Christoph Struck vermutet, dass ein Kupferstich von Caspar Merian aus dem Jahr 1653 den Turm östlich des Schlosses zeigte, um das sonst verdeckte Schloss besser darzustellen.