Vielleicht, sagt Juri Schlünz, schreibe er ein Buch – über sich, den Fußball und den FC Hansa Rostock. Er hätte viel zu erzählen. Der 65-Jährige ist eine Ikone des Klubs, fast 50 Jahre seines Lebens verbrachte er an der Ostsee. „Hätte ich einen Busführerschein gehabt, hätte ich auch den Mannschaftsbus gelenkt“, sagt er mit einem Lächeln.
Frühe Jahre und Debüt
Juri Schlünz wohnte nur fünf Minuten vom Ostseestadion entfernt. „Wenn wir zum Zoo gegangen sind, sind wir immer am Volksstadion vorbei, das es damals schon gab. Ich hatte immer einen Ball dabei“, erzählt er. Sein Vater meldete ihn mit sieben bei Hansa an. „Es gab vier Kindermannschaften, das waren damals die Kleinsten. Nach zwei Trainings durfte ich gleich in der 1. Kinder-Mannschaft mitspielen.“
Mit 18 gab Schlünz sein Debüt in der DDR-Liga. Beim 3:0 gegen Schifffahrt/Hafen Rostock erzielte er zwei Tore, am Ende der Saison 1979/80 stieg Hansa in die Oberliga auf. Schlünz war Stammspieler und studierte nebenbei Sport an der DHfK Leipzig. „Fußballerisch waren wir alle super ausgebildet. Uns fehlten vielleicht immer die letzten zehn Prozent“, sagt er. „Wir waren froh, wenn wir die Klasse gehalten haben und sonntags an den Strand gehen konnten.“
Die erfolgreichste Saison
Seine größten Erfolge feierte Schlünz nach dem Mauerfall. In der Saison 1990/91 holte Hansa das Double aus Meisterschaft und Pokal. Im entscheidenden Spiel gegen Dynamo Dresden gewann Rostock 3:1, Schlünz schoss zwei Tore. Die letzte DDR-Meisterschaft bedeutete den Aufstieg in die Bundesliga. Schlünz bestritt 406 Pflichtspiele für Hansa – 356 Punkt-, 46 Pokal- und drei Europapokal-Begegnungen sowie ein Supercup-Spiel. Er erzielte 95 Tore und ist Hansas Rekordspieler.
Treue zum Verein
Nach der Bundesliga und zwei Jahren in Liga zwei ließ Schlünz seine Karriere beim Parchimer FC ausklingen. „Ich habe den Amateurfußball kennengelernt, habe mit einem Mähdrescherfahrer und Maler zusammengespielt. Das war eine Super-Truppe“, blickt er zurück. Angebote von anderen Klubs hatte er immer wieder: In der DDR wollten Erfurt und Magdeburg ihn, nach der Wende lockten Westklubs. „Ich wollte nie weg aus Rostock“, sagt er. Nur einmal hörte er sich ein Angebot von Schalke 04 an, stieg aber auf der Autobahn ins Auto – „schon da wusste ich, dass ich es gar nicht will.“
Trainer und Nachwuchsleiter
Nach der Spielerkarriere kehrte Schlünz als Jugendtrainer zu Hansa zurück, später arbeitete er als Co-Trainer und Leiter der Nachwuchsakademie. Mehrmals half er als Cheftrainer aus, wenn andere entlassen wurden. „Immer nur um den Klassenerhalt kämpfen. Der Job ist eine unglaublich nervliche Belastung“, sagt er. Nach dem 0:6 gegen den HSV im November 2004 trat er zurück. 2016 endete seine Zeit beim Klub. „Es war eine wilde Zeit“, erzählt er.
Rente und Buchpläne
Nach dem Abschied arbeitete Schlünz als Koordinator für Sport- und Gesundheitsstützpunkte bei der AOK Nordost. Zum 65. Geburtstag am 27. Juli 2026 tritt er in den Ruhestand. „Im Kopf fühlt sich das alles nicht so nach Rente an, aber 65 und die Rente, das ist schon ein Meilenstein“, sagt er. Mit seiner Frau Astrid lebt er in Satow. Er besucht noch oft Heimspiele von Hansa, aber auch vom Rostocker FC oder SV Warnemünde. Sein Wunsch: Gesundheit. Und vielleicht schreibt er nun ein Buch. Zeit hat er jetzt.