Die geplante Sozialversicherungspflicht für Minijobs sorgt in Schleswig-Holstein für Unmut. Rund 230.000 Menschen im Land arbeiten in einer geringfügigen Beschäftigung, doch diese könnte bald wegfallen.
Was die Rentenkommission vorschlägt
Eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat vorgeschlagen, dass künftig auch Minijobs sozialversicherungspflichtig sein sollen. Eine Ausnahme soll es nur noch für Schüler geben. Ziel ist es, mehr Menschen Rentenansprüche aufzubauen und die Einnahmen der Sozialkassen zu steigern. Bislang handelt es sich lediglich um Empfehlungen.
Für Arbeitnehmer bedeutet dies weniger Netto vom Brutto, aber eine bessere soziale Absicherung und höhere Rentenansprüche. Arbeitgeber hingegen müssten höhere Lohnnebenkosten durch reguläre Sozialversicherungsbeiträge tragen.
Vereine befürchten weniger Angebote und höhere Beiträge
Sven Navers, Vorsitzender des RSV Landkirchen, hofft darauf, dass es weiterhin Minijobs im Sport gibt. Kleinere Vereine seien auf Minijobber angewiesen, etwa für Reinigungsarbeiten oder Unterstützung bei Veranstaltungen. „Man muss dann gucken, ob man das Angebot, was man jetzt hat, noch so halten kann oder ob man das dann weiter runterschrauben muss“, so Navers.
Ralph Schwennen, Vorsitzender des SV Fehmarn, der selbst als Minijobber arbeitet, sagte, dass man vermehrt 800-Euro-Jobs anbieten könne. Auch hier käme es zu höheren Kosten. Ob man die Mitgliedsbeiträge erhöht, müsse man sehen.
Landessportverband warnt vor Auswirkungen auf Ehrenamt
Die Präsidentin des Landessportverbandes, Barbara Ostmeier, warnt davor, dass die geplanten Änderungen auch das Ehrenamt treffen könnten. Höhere Abgaben könnten die Wertschätzung des Ehrenamts schwächen und unattraktiver machen.
Gastgewerbe sieht Flexibilität in Gefahr
David Depenau, Geschäftsführer vom Ferien- und Freizeitpark Weissenhäuser Strand, sieht Probleme: „Wir werden, wenn dieser Schritt kommt, nicht alle der aktuell 80 Minijobber weiterhin so beschäftigen können.“ Er setzt Minijobber bei saisonalem Bedarf ein. Würde er einen Minijobber fest anstellen, entstünden ihm rund 20 Prozent höhere Kosten pro Beschäftigtem.
Der Hotel- und Gaststättenverband Schleswig-Holstein (Dehoga) lehnt eine Abschaffung oder Einschränkung von Minijobs ab. Laut Dehoga helfen Minijobs, Personalmangel zu überbrücken und Öffnungszeiten zu sichern. „Wir brauchen keine Politik, die funktionierende Beschäftigungsmodelle komplizierter macht. Minijobs sind kein Problem, das gelöst werden muss“, heißt es.