Bad Doberans Bürgermeister wettert gegen Vandalismus: „Zum Kotzen und absolut asozial“
Bürgermeister wettert gegen Vandalismus in Bad Doberan

Illegal entsorgtes Altöl auf dem Buchenberg und zweifach mit Schaummittel sabotierter Brunnen am Kleinen Kamp: Bad Doberans Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) zeigt sich empört. „Es ist einfach zum Kotzen und absolut asozial“, wird er zitiert. Die Stadt müsse mit erheblichen Kosten und Nerven für die Beseitigung der Schäden aufkommen.

Brunnen nach erneuter Schaumsabotage abgestellt

Unbekannte hatten Schaummittel in den Brunnen am Kleinen Kamp gekippt. Der städtische Bauhof ließ daraufhin das gesamte Wasser ab und spülte die Anlage aufwendig. Kaum war der Brunnen sauber und neu befüllt, wiederholte sich die Tat. Nun bleibt der Brunnen vorerst aus, „um da Ruhe reinzubekommen“, so Arenz. Leidtragende seien wieder einmal die Bürger.

Fast zeitgleich entsorgten Unbekannte einen Kanister mit Altöl an einem illegalen Müllablageplatz auf dem Buchenberg. Eine Bürgerin informierte den Bürgermeister und wies darauf hin, dass dort bereits Kinder gespielt hätten. Altöl ist extrem gesundheitsschädlich und giftig.

Gefahr und Kosten durch falsch entsorgtes Altöl

Bereits ein Liter Altöl kann bis zu 1.000.000 Liter Wasser verunreinigen und rund 70 Prozent der Bodenorganismen beeinträchtigen. Der Kontakt kann gesundheitsschädlich sein. Deshalb gilt Altöl als Sonderabfall und muss über Sammelstellen entsorgt werden. Eine unsachgemäße Entsorgung von fünf Litern kann Schäden im Wert von mehreren tausend Euro verursachen und Bußgelder zwischen 500 und 100.000 Euro nach sich ziehen.

Die Feuerwehr rückte im stillen Alarm aus, um das Öl zu beseitigen. Arenz betont den ehrenamtlichen Einsatz der Einsatzkräfte: „Die Jungs und Mädels machen das alles ehrenamtlich und sind froh, wenn sie am Freitagnachmittag mal freihaben. Stattdessen müssen sie den Scheiß anderer Leute entsorgen.“

Gleichzeitig räumt er ein, dass die Abgabe von Altöl im Landkreis schwierig sei – Tankstellen und der örtliche Wertstoffhof nähmen es nicht an, die Entsorgungsstelle liege in Parkentin. Er wünscht sich ein mobiles Schadstoffmobil, das die Gemeinden regelmäßig anfährt.

Vandalismus kostet 100.000 Euro pro Jahr

Die Vorfälle sind keine Einzelfälle. In Bad Doberan kämpft man seit Jahren gegen Schmierereien, Diebstähle, Banderolen an Laternen und illegalen Sperrmüll. Allein die Diebstähle der Bänke im Kurpark Anfang des Jahres kosteten die Stadt 20.000 Euro. „Wir hatten in diesem Jahr auch Schmierereien an der Klostermauer“, berichtet Arenz. Die denkmalgeschützte Wand müsse von Spezialisten restauriert werden, da Chemie das Denkmal zerstören könnte. Die Kosten seien „riesig“.

Schlimm seien auch die zahlreichen illegalen Müllablageplätze. „Ich weiß wirklich nicht, was in den Köpfen vor sich geht“, meint Arenz. „Wir haben den Wertstoffhof um die Ecke, mehrmals im Jahr kann man Sperrmüll kostenfrei abholen lassen – wieso muss man dann so asozial sein?“

Stadt stößt bei Prävention an Grenzen

Das Problem sei kein neues Gesellschaftsphänomen, so Arenz: „Das war wirklich schon immer so.“ Die Handlungsmöglichkeiten der Stadt seien begrenzt. Man habe einen Präventionsrat und stehe in Austausch mit Jugendorganisationen, Schulen und Polizei. Oft seien die Täter „halbstarke Kinder“, die nicht wüssten, was sie anrichten. Die Entfernung einer Schmiererei könne schnell 30.000 Euro kosten. Es gebe Vorstöße, etwa dass Bauhofmitarbeiter in Schulen gemeinsam mit Kindern eine Schmiererei entfernen, damit alle sehen, wie aufwendig das sei – doch das bringe wenig: „Das ist wie ein Liter Wasser, den man in die Wüste kippt.“

Rechtliche und fachliche Grenzen verhindern modernere Methoden wie Videoüberwachung mit Kurzspeicherung an kritischen Standorten. Am Ende bleibe der Appell an die Zivilgesellschaft: „Wer etwas sieht, soll das bitte sofort melden.“

Die Stadt zeigt jeden Akt des Vandalismus an. „Wir durchwühlen auch die illegalen Müllberge nach Hinweisen auf die Identität der Verursacher“, erklärt Arenz. Der Landkreis, der in diesem Fall zuständig ist, konnte so bereits Strafen von mehr als 5000 Euro verhängen – ein Bruchteil der auflaufenden Kosten.