Im Prozess um den geplatzten Schmuggel von mehr als 260 Kilogramm Kokain auf einem Segelboot aus Rostock hat der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe das Rauschgift Anfang Juli 2025 in Kolumbien als Proviant getarnt auf der Jacht „Target“ versteckt, ohne dass seine – jetzt mitangeklagte – Ehefrau etwas davon wusste, sagte der 59-jährige gebürtige Berliner am Freitag am Landgericht Rostock.
Drogenfund auf der Jacht „Target“
Dem Paar wird Drogenhandel in großem Stil vorgeworfen. Ihre weiße, 14 Meter lange Jacht war im August 2025 nahe den Azoren, die zu Portugal gehören, durchsucht worden. Das Rauschgift wurde in kleinen Behältnissen, wasserdicht verpackt, in Verstecken gefunden. Es war für den europäischen und deutschen Markt gedacht. Auch das Bundeskriminalamt war in die Ermittlungen einbezogen.
Schwer bewaffnete und maskierte Spezialpolizisten haben dem Prozess wie bereits beim ersten Verhandlungstag beigewohnt.
Geständnis mit Details aus dem Leben des Angeklagten
Der Angeklagte hat bereits ein längeres Strafregister. Bei seinen Gefängnisaufenthalten, wie in Berlin-Tegel, lernte er Männer kennen, zu denen er immer noch Kontakt hat. So kam auch das Kokain-Geschäft zustande, wie er fantasievoll im Prozess erzählt. So habe er 2023 auf einmal 20.000 Euro für eine Operation gebraucht. Diese habe ihm ein „Freund aus der Türkei“ geliehen. Plötzlich habe dieser kurze Zeit danach das Geld wiederhaben wollen, mit hohen Zinsen. Da habe ihn ein anderer Bekannter, er wurde „Hector“ genannt, auf die Idee gebracht, dass man Kokain aus Kolumbien holen könnte. Das sei ein profitables Geschäft. „Segeln ist mein großes Hobby“, sagte der Angeklagte.
Erste Tour scheiterte – zweite endete vor den Azoren
Wenn man seinen Worten glaubt, finanzieren die Drogenanbieter auch die Segeljachten dafür. Bei der ersten Segeltour flog er nach Kolumbien und startete mit einer Jacht und etwa 75 Kilogramm Kokain an Bord Richtung Europa. Das ging aber schief, sagte er. Weil das Boot in Seenot war, habe er die Drogen über Bord geworfen. „Deshalb gab es die zweite Tour, die im Sommer 2024 startete.“ Da segelte das Paar in Rostock los. „Meine Frau sollte gar nicht mitsegeln, aber sie wollte mich nicht allein lassen, obwohl sie gar keine Segelerfahrung hat“, sagte der Angeklagte. Die 67-jährige Frau habe gewusst, dass er in Kolumbien eine jüngere Freundin habe. Sie habe ihre Beziehung retten wollen. Er habe ihr vorgemacht, dass man nur eine Reise in die Karibik machen wolle.
Die Rückfahrt mit dem Segelboot endete im Sommer vor den Azoren. Dort versagte erst der Motor des Segelbootes, der für Energie und damit Sicherheit sorgen soll. Dann stoppten die portugiesischen Behörden die Jacht und fanden das Kokain, dessen Marktwert die Staatsanwaltschaft auf 15 bis 20 Millionen Euro schätzt. Das sei die größte Menge Kokain, die je mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern beschlagnahmt wurde. Während ihrer Fahrt Richtung Portugal wurde die Jacht von den Behörden auch aus Deutschland überwacht.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen und drohende Haftstrafen
Beide Angeklagte gelten nach Angaben des Landeskriminalamtes als „hochgefährdet“, weil sie Kontakte zur Drogenmafia preisgeben könnten. Auch am Freitag wurden die Frau und ihr mitangeklagter Mann wieder nacheinander in den Saal geführt, den auch wieder maskierte Spezialpolizisten sicherten. Die Frau schweigt bisher vor Gericht. Den Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft. Ein Urteil wird Mitte Oktober erwartet.