In Dummerstorf bei Rostock soll eines der größten Rechenzentren Europas entstehen. Nach Informationen des Nordkurier ist die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) als Investor im Gespräch. Die Gesamtkosten werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt.
Schwarz Gruppe bestätigt Interesse an Standorten
Ein Sprecher der Schwarz Gruppe bestätigte am Dienstag in Lübbenau (Spreewald), dass auch an anderen Standorten Rechenzentren geplant seien. Den Standort Dummerstorf wollte er weder bestätigen noch dementieren. Im Spreewald baut der Konzern derzeit das „größte Rechenzentrum deutschlandweit“ mit einer Stromanschlussleistung von 200 Megawatt.
Das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern könnte laut Quellen sogar größer werden. Von bis zu 1,2 Gigawatt Anschlussleistung ist die Rede. Die Dummerstorfer Gemeindevertreter haben dafür bereits eine Änderung des Bebauungsplanes beschlossen. Der Investor war bisher nicht genannt worden. Im Gewerbepark der Gemeinde gibt es bereits große Ansiedlungen, darunter einen Amazon-Standort.
Reaktionen aus Wirtschaft und Politik
Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, zeigt sich erfreut: „Ich freue mich sehr, wenn wir so etwas nach Rostock bekommen.“ Er habe bereits vor langer Zeit einen Projektplaner unterstützt und der Landesregierung vermittelt.
Der Sprecher der Schwarz Gruppe, Lars Bank, hält sich bedeckt: „Wir schauen uns im Rahmen unserer Rechenzentrumsstrategie verschiedene Standorte an.“ Weitere Details gebe es nicht.
Vorboten und Warnungen des Schwarz-Chefs
Bereits im Frühjahr war Gerd Chrzanowski, Chef der Schwarz Gruppe, Gast beim Baltic Sea Business Day der Landesregierung in Rostock. Er betonte die Bedeutung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. „Wir dürfen unsere Sicherheit und Energieversorgung in kritischer Infrastruktur nicht in fremde Hände legen“, sagte er mit Blick auf Firmen aus den USA und China. Er warnte vor Cyberkriminalität, etwa Hacker-Angriffen auf Krankenhäuser oder Verwaltungen. Dies wäre „eine existenzielle Bedrohung für unsere Gesellschaft, die Versorgung und die Handlungsfähigkeit ganzer Länder“.
Die Schwarz Gruppe hat in ihrer Sparte Schwarz Digits bereits 10.000 Beschäftigte. In Lübbenau entsteht ein Rechenzentrum für 11 Milliarden Euro. Weitere Standorte seien geplant, so Chrzanowski.
Technik und Energieversorgung
Das geplante Rechenzentrum bei Rostock soll hochmoderne Technik der „neuesten Generation“ nutzen. Wasser zum Kühlen sei kaum erforderlich, aber ein hohes Stromaufkommen nötig. Wind- und Solarenergie sei in Mecklenburg-Vorpommern reichlich vorhanden. Die Abwärme der Rechner könnte ins Rostocker Wärmenetz eingespeist werden.
Die Landesregierung um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) plant nach Informationen des Nordkurier die Bekanntgabe der Pläne in den kommenden Tagen – passend als Wahlkampf-Booster.