Prozess um getöteten Fabian: Großmutter sagt aus
Prozess um getöteten Fabian: Großmutter sagt aus

Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Großmutter des Jungen am 21. Verhandlungstag emotional ausgesagt. Vor dem Landgericht Rostock schilderte sie, wie die Familie den Tod des Jungen erlebte. Der Prozess wird am 24. August fortgesetzt, dann will sich erstmals die Angeklagte äußern.

Großmutter schildert Erinnerungen an ihren Enkel

Im voll besetzten Sitzungssaal 200.2 des Landgerichts Rostock fragte der Vorsitzende Richter Holger Schütt die Großmutter, ob es ihr gut gehe. Sie hatte ein Taschentuch ausgepackt und wischte sich die Augen. In ihren Schilderungen war sie an dem Punkt im Oktober angekommen, an dem klar war, dass ihr Enkel tot ist. Ihre Tochter, Fabians Mutter, saß rechts von ihr und verhielt sich aufrecht mit erhobenem Blick.

Die Großmutter beschrieb Fabian als einen „aufgeweckten, lustigen“ Jungen, der aber auch „Zick-Phasen“ gehabt habe. Vor etwa zwei Jahren sei er eine Zeit lang sehr auffällig gewesen und besonders schnell wütend geworden. Damals habe er keinen Kontakt zu seinem Vater gewollt. Dieser lebte getrennt von Fabians leiblicher Mutter und war damals mit der inzwischen Angeklagten liiert.

Vorfall zwischen Vater und Angeklagter thematisiert

Die Großmutter berichtete von einem Vorfall, bei dem Fabian ihr erzählt habe, sein Vater sei „böse“ zur Angeklagten gewesen, ohne ins Detail zu gehen. Bereits zuvor war im Prozess thematisiert worden, ob der Vater der Angeklagten gegenüber gewalttätig war. Der Vater hatte die Vorwürfe als Zeuge zurückgewiesen. Später hätten sich Fabian und sein Vater wieder angenähert, nachdem sich der Vater von der Angeklagten getrennt hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Angeklagten vor, Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit der Beziehung zum Vater aus. Inzwischen sind die beiden wieder ein Paar, wie der Vater vor Gericht aussagte.

Verteidigung stellt Zeitabläufe in Frage

Der Prozesstag begann mit zahlreichen Beweisanregungen der Verteidigung. Rechtsanwalt Andreas Ohm zweifelte die von der Staatsanwaltschaft zugrunde gelegten Zeitabläufe am Tattag und am Vortag an. Er bezweifelte, dass sich die Angeklagte zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten aufgehalten habe. Daher sollte ein Bewegungsprofil des Autos eines Zeugen erstellt werden, mit dem sich die Angeklagte traf. Auch sollte ein Zeuge erneut zur Funkzellenauswertung aussagen.

Zudem sollen der Arbeitgeber und ein Kollege von Fabians Vater zum Tagesablauf am Tag des Verschwindens vernommen werden. Eine weitere Anregung betrifft ein Fahrzeug, das dem auffälligen Pickup der Angeklagten ähneln und im Raum Güstrow unterwegs gewesen sein soll. Die Ermittler haben eine umfangreiche Indizienkette erstellt, die auf Handydaten, Foto- und Videoaufnahmen sowie Zeugenaussagen basiert.

Schwester der Angeklagten sagt aus

Nach einer vierwöchigen Pause sagte die jüngere Schwester der Angeklagten aus. Dabei wurde sie von ihrer älteren Schwester skeptisch gemustert, die teilweise mit Kopfschütteln reagierte. Einmal kam es zu einem verbalen Schlagabtausch, bei dem die Angeklagte ihre Schwester fragte: „Hast Du einen Dachschaden oder was?“ Zuvor hatte die Schwester berichtet, ihre Schwester habe während ihrer abgebrochenen Ausbildung darüber nachgedacht, wie sie um die Arbeit herumkomme. Die Angeklagte bezieht wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente.

Die jüngere Schwester, die keinen Kontakt mehr zur Angeklagten hat, sagte, diese könne liebevoll sein, aber schnell aufbrausend werden. Sie warf ihr vor, sich mit Lügen in ein besseres Licht gestellt zu haben. In der Schulzeit habe die Angeklagte weniger Freunde gehabt und sei eigenbrötlerisch gewesen. Als die Schwester den Saal verließ, würdigten sich beide keines Blickes.

Fortsetzung am 24. August

Wegen eines größeren Drogenprozesses am Landgericht Rostock wird der Mordprozess erst am 24. August fortgesetzt. Dann will sich die Angeklagte erstmals äußern. Ihr Verteidiger Thomas Löcker sagte, es werde „bestimmt etwas umfangreicher“, fügte aber hinzu: „Sie ist noch nicht fertig.“ Die Einlassungen müssten noch häufiger durchgearbeitet werden. Die Chancen, dass die Angeklagte auf Nachfragen eingeht, seien „minimal klein“.