Michael Preuß, Busfahrer der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), hat einer verletzten Frau geholfen und wurde dafür beim bundesweiten Wettbewerb „Lieblingsbusfahrer:innen Deutschlands 2026“ unter die Top 30 gewählt. Der 56-Jährige ist damit der erste Mitarbeiter des Unternehmens, der diese Auszeichnung erhält, und der einzige Vertreter aus Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr.
Beherztes Eingreifen im Oktober 2025
Am 25. Oktober 2025 entdeckte Michael Preuß während einer Fahrt mit der Linie 24 Richtung Hanse Outlet eine verletzte Frau an der Haltestelle Am Wald in Kösterbeck. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt er rückblickend. Die etwa 80-jährige Vietnamesin war laut ihrer Enkelin von der Bank auf die Straße gestürzt, weil ihr Blutdruck nicht mitmachte – genau in dem Moment, als der Bus vorbeifuhr.
Preuß handelte sofort: „Ich bin dann gleich raus. Sie hatte eine große Platzwunde am Kopf und ich habe sie verbunden“, erzählt er. Etwa eine Stunde blieb er bei der Frau und wartete mit ihr auf den Krankenwagen. Bei der Weiterleitung des Notfalls kam es offenbar zu Verzögerungen zwischen dem Landkreis Rostock und der Rostocker Leitstelle.
Auszeichnung nach über 3000 Einsendungen
Vorgeschlagen wurde Preuß von der Enkelin des Unfallopfers, die seine Geschichte auf eigene Initiative beim Wettbewerb einreichte. Aus mehr als 3000 Einsendungen wählte eine Jury seine Geschichte als eine der beeindruckendsten aus. Mitte August überreichten ihm RSAG-Vorstand Jan Bleis und Teamleiter Alexander Lorenz die Urkunde samt Präsent.
„Es ist eine Wertschätzung des Berufs“, sagt Jan Bleis über den Wettbewerb, der vom Fahrgastverband Pro Bahn, DB Regio, dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen veranstaltet wird. Die Enkelin zeigt sich bis heute dankbar: „Er kümmerte sich währenddessen die ganze Zeit um meine Oma. Ich bin ihm bis heute sehr dankbar, da meine Oma nicht so gut Deutsch spricht und solch eine Verletzung alleine nicht ernst genommen hätte.“
Vom Lkw-Fernverkehr zum Busfahren
Ursprünglich war Michael Preuß mit dem Lkw im Fernverkehr unterwegs, bis er sich 2004 beruflich umorientierte. Ein ehemaliger Kollege brachte ihn zum Busfahren, wo er hauptsächlich als Reisebusfahrer arbeitete. Nach 30 Jahren in Karlsruhe zog er vor etwa vier Jahren an die Küste und wurde Teil des RSAG-Teams, wo er nun „jeden Tag auf einer anderen Linie“ unterwegs ist.
Etwa vier Wochen nach dem Vorfall kam es zu einem Treffen mit dem Opfer und ihrer Enkelin, die sich persönlich bedankten. Die Folgen des Sturzes waren da noch deutlich im Gesicht der 80-Jährigen zu sehen. Preuß hofft nun, es mit seiner Geschichte auch in die Top 5 zu schaffen. Die Preisverleihung findet Mitte Oktober in Berlin statt. Seine Urkunde hat einen Ehrenplatz zu Hause, den Pin „Lieblingsbusfahrer“ trägt er täglich an seiner Arbeitsweste.