Der Einbau der neuen Sternbrücke in Hamburg ist eines der spektakulärsten Bauprojekte der Stadt. In der Nähe des Schulterblatts wurde die Brücke zusammengeschweißt. Am 30. Juli sollen die rund 4.500 Tonnen Stahl vom Bauort rund 500 Meter zum Bahndamm bewegt werden.
Logistische Meisterleistung: Transport auf Tausendfüßlern
Der Transport der Brücke ist eine logistische Meisterleistung. An nur einem Tag soll die 108 Meter lange, 21 Meter breite und an der höchsten Stelle 25 Meter hohe Brücke auf sogenannten „Tausendfüßlern“ über die Max-Brauer-Allee zum Einbauort an der Kreuzung Stresemannstraße gebracht werden. „Die Schwerlastgeräte kommen aus Kanada, aus Afrika und ganz Europa“, sagt Projektleiterin Janna Widmaier von der Deutschen Bahn. „Damit können wir diese Brücke sicher bewegen.“
Ein Team aus über 100 Spezialisten um Bauleiter Torsten Kremser hat die neue Sternbrücke in der Nähe des Schulterblatts zusammengebaut. Die Tausendfüßler sind hydraulische Spezialfahrzeuge mit Dutzenden einzeln lenkbaren Rädern, die millimetergenau ferngesteuert werden können. Mit ihnen wird die Brücke mitten durch einen engen Korridor gezirkelt, vorbei an einer Tankstelle mit nur wenigen Zentimetern Platz auf jeder Seite.
Für den Transport musste die Straße im Vorfeld präpariert werden. Zahlreiche Laternen wurden abgesägt und das Vordach der Tankstelle gekappt. 86 Bäume sind im Zuge der Bauarbeiten gefällt worden.
Zeitplan: Abriss, Transport und Einbau
Voraussichtlich von Freitag, 24. Juli, auf Sonnabend, 25. Juli, werden die Stahlträger der alten Sternbrücke endgültig abgerissen. Der Transport der neuen Brücke soll ab Donnerstag, dem 30. Juli, erfolgen. In etwa zwölf bis 15 Stunden soll die Brücke vom Vormontageplatz an der Max-Brauer-Allee zu ihrem endgültigen Standort über der Stresemannstraße gefahren werden. Am Bauort angekommen muss die Brücke noch in die erforderliche Richtung gedreht werden. Am Ende wird ein Spezialteam die tausende Tonnen schwere Brücke auf ihre riesigen Hydraulikzylindern absetzen. Auf diesen wird sie angehoben und passgenau eingesetzt. Anschließend müssen noch die Schienenstränge verbunden werden.
Der Zeitplan der Bahn sieht vor, dass der Transport am Donnerstag und Freitag stattfindet. Der Einhub wird voraussichtlich am Wochenende durchgeführt. Bei einem reibungslosen Ablauf kann dieser aber auch schon zügiger erfolgen.
Sicherheitsbedenken: Straßendecke, Siele und Kabelschächte
Die 36-jährige Ingenieurin Janna Widmaier leitet das Projekt für die Deutsche Bahn. Die Straßendecke ist für das immense Gewicht extra verstärkt worden. Höhenunterschiede zwischen Bordstein und Fahrbahn wurden ausgeglichen. Denn die Tausendfüßler können laut Widmaier so gut wie keine Steigungen erklimmen.
Die Hamburger Linksfraktion warnt vor möglichen Schäden beim Transport der neuen Sternbrücke. Unterirdische Siele und Kabelschächte könnten unter der Last zusammenbrechen. Der Senat verweist auf Anfrage darauf, dass alle Schutzmaßnahmen fortlaufend mit der Deutschen Bahn und den Versorgungsunternehmen abgestimmt werden. Aber auch das Eisenbahn-Bundesamt spricht bei einem Transport dieser Dimension von einem unvermeidbaren Restrisiko.
Auswirkungen auf Anwohner und Verkehr
Für die Dauer des Manövers werden einige Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser verlassen müssen, weil während des Transports auch für Feuerwehr und Rettungswagen kein Durchkommen ist. Aus Sicherheitsgründen sind die Gehwege der Max-Brauer-Allee im Abschnitt Stresemannstraße bis Schulterblatt komplett gesperrt. Die Wohnungen und Geschäfte entlang dieses Straßenabschnitts sind in dem Zeitraum über die Max-Brauer-Allee nicht erreichbar.
Bis Ende August soll das Bauprojekt, das die alte Brücke aus dem Jahr 1926 ersetzt, abgeschlossen sein. Am 31. August wird der Bahnverkehr wieder aufgenommen. Die Kreuzung Max-Brauer-Allee / Stresemannstraße soll am 2. September wieder befahrbar sein. Es kommt aber bis November zu Verkehrseinschränkungen, weil noch Nebenflächen im Kreuzungsbereich umgebaut werden.