Seit 44 Jahren ist die Freie Kunstschule Ottensen ein Ort für Kreativität und Leidenschaft. Nun droht ihr das Aus: Das Gebäude muss saniert werden, doch es fehlen neue Räume und Geld.
Gründer kämpft um Erhalt
Wolfgang Genoux ist Gründer der freien Kunstschule im Hamburger Stadtteil Ottensen. Mit Leidenschaft kämpft er um den Erhalt der Schule. Die Räume müssen saniert werden, die Schule muss raus, für Ersatzräume ist kein Geld da. Die freie Kunstschule sucht händeringend neue Räume.
Geschichte seit 1982
1982 ist die Kunstschule gegründet worden. Ein 20 Meter langer Flur steht voller Entwürfen von Skulpturen, Eimern voller Lehm und Leinwänden mit Gemälden. In der Kunstschule hängt ein Bild vom Beginn der 1980er-Jahre. Eine Gruppe Kunstschaffender hatte sich an der Hochschule für Bildende Künste zusammengetan. Sie wollten Kunsterziehung anders denken, sagt Wolfgang Genoux: „Deswegen war für uns auch wichtig, dass wir eine autonome Einrichtung waren und nicht von staatlich gelenkter Natur des Hochschulrahmengesetzes.“
Vorbild Joseph Beuys
Es sollte eine freie, unabhängige Kunstschule werden, die sich nicht an staatliche Vorgaben halten muss. Dafür wurde ein Verein gegründet, der die Schule bis heute betreibt. Das große Vorbild in der Kunstvermittlung: Weltstar Joseph Beuys. Der wollte den einzelnen Menschen sehen, ihm Gelegenheit geben, sich auszudrücken. Wolfgang Genoux war selbst Meisterschüler bei ihm. „Der Beuys war damals an der Düsseldorfer Kunstakademie. Mir wurde gesagt, ich solle mich ihm mal vorstellen, und das habe ich gemacht. Ich habe selten so einen Menschen erlebt, der so natürlich und klar Korrekturen geben konnte.“
Ein Ort der Seele
Meisterschüler ist ein anerkannter Abschluss. Es seien immer um die 45 Schülerinnen und Schüler zur Zeit an der Schule, sagt Wolfgang Genoux. In einem der Arbeitsräume stellt Adela Liepold Grassinger gerade ihre Abschlussausstellung zusammen. Gemälde und Arbeiten aus Kupfer. Nach acht Jahren ist sie am Ende ihres Studiums. „Für mich ist dieser Ort etwas ganz Wertvolles. Wir malen hier nicht nur und haben tolle Bildbesprechungen. Das ist auch ein Ort der Seele, wo wir uns wohlfühlen.“
Gebäude mit Problemen
Die Freie Kunstschule in Hamburg Ottensen muss saniert werden. Schaut man sich die hohen Decken an, sieht man Feuchtigkeitsschäden. Die Elektrik sieht aus wie aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Es soll saniert werden, doch dafür muss die freie Kunstschule Ende Oktober umziehen - und weiß nicht wohin. „Die Gefahr ist, wenn wir jetzt nichts Geeignetes für uns finden, müssen wir vieles wegtun.“ Oder aufgeben, sagt Genoux.
Suche nach neuen Räumen
Wolfgang Genoux ist bereit, die Schülerschaft und seine Dozentenkollegen zeitweise bei sich in seiner Privatwohnung zu unterrichten. Er hat neue Räume in Aussicht, aber auch die müssen saniert werden - und dafür fehlt das Geld. „Wir haben das 44 Jahre so wach gehalten und das sind so tolle Ergebnisse. Die lebendigen Erlebnisse laufen da draußen rum.“ Er meint die unzähligen Schülerinnen und Schüler, die er hier über Jahrzehnte ausgebildet hat. Damit diese künstlerische Tradition nicht verloren geht, muss dringend etwas passieren. Jeden Samstag ist die Schule in der Friedensallee 44 in Ottensen für Fragen und Rundgänge geöffnet.