Zur Hanse Sail testet die Stadt Rostock eine digitale Alkoholsperre für E-Scooter. Der Reaktionstest greift an allen Sail-Tagen ab 18 Uhr. Ein Praxistest zeigt, wie das Sicherheits-Feature funktioniert – und wo es noch Lücken gibt.
Mehr E-Roller und digitale Alkoholsperre
Zum maritimen Festwochenende vom 6. bis 9. August geht die Hansestadt ein doppeltes Mobilitätsexperiment an: Das Flottenkontingent der drei Sharing-Anbieter Voi, Dott und Moin an E-Rollern wird massiv aufgestockt, gleichzeitig kommt ein neues Sicherheits-Feature zum Einsatz – allerdings nur auf Zeit.
Wie Stadtsprecher Ulrich Kunze erklärt, werden die zusätzlichen E-Roller durch Umverteilung aus anderen Regionen nach Rostock geholt. Die Erhöhung basiere auf Datenauswertungen der vergangenen Jahre. Die Stadt betont, dass das Angebot rein eigenwirtschaftlich durch die Anbieter betrieben wird – ohne kommunale Zuschüsse. Die E-Roller sind Teil des Mobilitätsplans Zukunft der Stadt, der alternative und innovative Mobilitätsangebote für die Bürger vorsieht.
Abstellzonen und Verbotszonen
Damit das Festgelände nicht im E-Roller-Chaos versinkt, wurden Abstellzonen eingerichtet: am Kabutzenhof (Circus Fantasia), in der Haedgestraße, am Kanonsberg, auf der Nebenfläche des Hafenmarktes sowie am Speicher. „Die Flächen sind in den Apps aller Anbieter hinterlegt“, heißt es seitens der Stadt. Das Veranstaltungsgelände am Stadthafen sowie in Warnemünde ist als Parkverbotszone eingerichtet.
„Grundsätzlich ist ein Abstellen der Scooter außerhalb des Geländes unter Beachtung bestehender Parkverbotszonen möglich“, so Kunze. Wichtig sei, dass die Scooter bei ausreichend Restwegbreite, etwa 1,80 Meter, abgestellt werden.
Anbieter vergaß Software zu hinterlegen
Das spannendste Detail ist der Reaktionsgeschwindigkeitstest, die digitale Alkoholsperre: „Der Test hat das Ziel, die Fahrtüchtigkeit einzuschätzen“, heißt es von der Stadt. Ist man zu langsam, wird der E-Scooter nicht freigeschaltet. „Wenn sich die Maßnahmen als wirksam erweisen“, so Kunze, „ist davon auszugehen, dass sie auch im kommenden Jahr wieder umgesetzt werden.“
Laut Vereinbarung zwischen Stadt und den Anbietern Moin, Voi sowie Dott gilt die Promille-Hürde von Donnerstag bis Sonntag, jeweils zwischen 18 und 2 Uhr. Ein Praxistest am Donnerstagabend zeigte jedoch: Bei mindestens zwei der Anbieter taucht der angekündigte Reaktionstest in der App gar nicht auf.
Auf Nachfrage bei den Anbietern erhielt die Stadt bis zum Wochenende lediglich von Moin eine Rückmeldung: Der Anbieter habe demnach zunächst versäumt, die entsprechende Software zu hinterlegen, das nun aber nachgeholt.
Bringt die Sperre tatsächlich was?
Beim Praxistest am Freitagabend klappt es dann auch – zumindest bei den Moin-Rollern. Ein außerhalb des Veranstaltungsareals getesteter Voi-Roller rief immer noch keinen Reaktionstest auf.
Konkret sieht der Test in der Moin-App so aus: Vor dem Fahrtantritt ploppt ein farbiger Punkt auf. Der muss, sobald er die Farbe wechselt, so schnell wie möglich angetippt werden. Nüchtern betrachtet wirkt diese Aufgabe lächerlich einfach: Ein Tippen und die Fahrt kann beginnen. Kann eine so unkomplizierte Übung betrunkene Festbesucher tatsächlich von einer gefährlichen Spritztour abhalten?
Wie sich nach dem Feuerwerk am Samstagabend zeigte: Sie kann. Eine Gruppe offensichtlich stark angetrunkener junger Männer stand lachend und schwankend um einen geparkten Leihroller herum. Einer von ihnen versuchte wiederholt und ohne Erfolg das Gerät freizuschalten. Er bestand den Reaktionstest tatsächlich nicht. Allerdings fuhr er später dennoch, denn einer seiner Freunde schaltete an seiner statt den Leih-Roller frei.