Das Institut für Mobilitäts-Technik und Technologie (IMTT) hat am Mittwoch im Industrial Transformation Center (ITC) auf dem RWN-Gelände in Neubrandenburg offiziell seine Arbeit aufgenommen. Der Verein will Forschung und heimische Industrie zusammenbringen und neue Technologien bis in die praktische Anwendung begleiten. Noch in diesem Jahr sollen bis zu fünf Mitarbeiter eingestellt werden.
Millionenschweres Forschungsprojekt KILO
Das erste große Vorhaben läuft bereits. Unter dem Namen „KILO“, angelehnt an Kilovolt, wollen das IMTT und seine Partner einen neuartigen Hochvolt-Heizer für Spannungen von mehr als 1000 Volt entwickeln. Er soll vor allem in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden. Dabei forscht das IMTT an neuen Materialien und Verbindungstechnologien auf keramischer Basis für Hochvoltkomponenten.
Das Projekt hat ein Volumen von rund 11,5 Millionen Euro und wird vom Wirtschaftsministerium mit 7,3 Millionen Euro gefördert. Das IMTT selbst erhält nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Euro Landesförderung. Zu den Projektpartnern gehören Webasto und Automation & Software aus Neubrandenburg. Webasto produziert hier bereits klassische Standheizungen sowie Hochvoltheizungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge.
Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg
Dass nun tatsächlich geforscht werden kann, liegt auch an der Verbindung zur Hochschule Neubrandenburg. Rektor Gerd Teschke bezeichnete die Hochschule bei der Arbeitsaufnahme als „Mit-Akteur“. Der Senat hatte das IMTT zuvor einstimmig als sogenanntes An-Institut anerkannt: Die Hochschule ist damit nicht selbst Trägerin des Vereins, bindet ihn aber über einen Kooperationsvertrag institutionell an ihre Forschung an. Dieser Status könne laut Teschke beim Einwerben von Forschungsförderung relevant sein.
Der Mehrwert sei bereits jetzt spürbar, sagte Teschke, erste Forschungsaufträge der Hochschule gebe es bereits. Auch Studenten sollen profitieren: durch Bachelor- und Masterarbeiten, Promotionen, Praktika und studentische Projekte. Fachliche Schnittstellen sieht Teschke vor allem bei Messtechnik, Informatik, Sensorik, Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz.
Wandel der Automobilbranche
Hinter der IMTT-Gründung steht auch die Frage, wie das Land und die Region als Industriestandort mit dem Wandel der Automobilbranche Schritt halten können. Jan Sender von der Universität Rostock brachte die Herausforderung bei der Arbeitsaufnahme auf eine einfache Formel: Bei den Kosten könne die heimische Industrie im internationalen Wettbewerb nicht gewinnen. „Wir können die Probleme nur über Innovationen lösen.“
Das IMTT soll deshalb Wissenschaft und Unternehmen näher zusammenbringen. Mit der Landesförderung beginnt nun der eigentliche Aufbau des Instituts: Der vierköpfige Vorstand arbeitet bislang ehrenamtlich, noch in diesem Jahr sollen bis zu fünf Mitarbeiter fest angestellt werden. In den nächsten drei Jahren will das IMTT weitere Projekte und Kooperationen einwerben und eine feste Struktur mit Industrie und Wissenschaft aufbauen.
Damit greifen in Neubrandenburg zwei Projekte ineinander, die bislang vor allem Versprechen für die Zukunft waren. Erst im Juni war auf dem RWN-Gelände das Industrial Transformation Center MV eröffnet worden. Drei Monate später bekommt das Versprechen nun ein erstes konkretes Forschungsprojekt: Das IMTT nutzt dort jetzt Büros sowie Hallen- und Versuchsflächen.