Warum ich gern ein Besser-Wessi an der Ostsee bin
Warum ich gern ein Besser-Wessi an der Ostsee bin

In seiner neuesten Kolumne reagiert Stefan Meetschen auf einen kritischen Leserbrief. Der Leser warf ihm vor, als Zugezogener aus den alten Bundesländern den Einheimischen erklären zu wollen, wie Dinge in Warnemünde zu funktionieren hätten. Meetschen hatte zuvor empfohlen, alte Fischkutter wie die „Pasewalk“ und die „Storkow“ zu renovieren und am Alten Strom zu positionieren, um Touristen anzuziehen und maritimes Flair zu schaffen.

Kritik an der Kolumne

Der Leser argumentierte, dass die Kutter wenig mit der echten Warnemünder Fischerei zu tun hätten. Zudem verwies er darauf, dass seit über 35 Jahren Menschen über den Osten redeten und schrieben, die nie Teil dieses Lebens und dieser Geschichte gewesen seien. Die Botschaft lautete sinngemäß: Besser-Wessi, halt die Klappe.

Meetschen nimmt diese Kritik ernst. Sie zeige, wie tief die Teilung fast 37 Jahre nach dem Mauerfall noch oder wieder sitze. Gerade jetzt, kurz vor den Wahlen im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wenn Umfragen einen starken Zuspruch für AfD, BSW und Linke erwarten ließen, sei dies relevant.

Fehlende Entkommunisierung?

Der Autor fragt sich, ob es der Demokratie nicht besser getan hätte, nach der Wiedervereinigung eine ernsthafte Entkommunisierung zu wagen, ähnlich der Entnazifizierung im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er schlägt Transparenz über SED-Mitgliedschaften vor, vergleichbar mit der heutigen Einsicht in NSDAP-Akten. Ob dies dem sozialen Frieden geschadet hätte, lässt er offen, vermutet aber, dass eine stabilere Demokratie möglich gewesen wäre.

Zudem kritisiert er den inflationären Gebrauch des Begriffs „Faschist“. Dieser werde unscharf eingesetzt, um politisch Andersdenkende abzukanzeln. Er erinnert daran, dass es „Faschisten“ in Italien gab, während die Nazis sich Sozialisten nannten. Die DDR habe den Begriff „Hitler-Faschismus“ erfunden und einen „anti-faschistischen Schutzwall“ gebaut. Ein Freund aus dem Osten habe sogar Konrad Adenauer als Faschisten bezeichnet, was die nachhaltige ideologische Verblendung zeige.

Ein Plädoyer für Einheit

Meetschen stört die Bezeichnung Besser-Wessi nicht. Er lebte fast 20 Jahre in Polen und sieht sich selbst als Super-Ossi. Er schließt mit der Hoffnung, dass 37 Jahre nach der Wende weder Ossis noch Wessis nötig seien, sondern ein geeintes, freiheitliches Deutschland. Er lädt Leser ein, ihm ähnliche oder andere Erlebnisse mit Rostock zu schreiben.