Mordfall Fabian: Experte sieht egozentrisches Verhalten bei Angeklagter
Mordfall Fabian: Experte sieht egozentrisches Verhalten

Im Prozess um den Mord an dem 8-jährigen Fabian hat das Landgericht Rostock weitere Zeugen angehört. Am Donnerstag (6. August) sagten ein Hufschmied, ein Förster und ein Kommunikationsgutachter des Bundeskriminalamtes (BKA) aus.

BKA-Experte: Kommunikationsverhalten vor und nach der Tat gleichbleibend

Der Kommunikationsgutachter Roland Frönd hat die zahlreichen Handy-Nachrichten der 30-jährigen Angeklagten Gina H. an Bekannte und insbesondere den Austausch mit ihrem Ex-Partner, dem Vater von Fabian, analysiert. Frönd bescheinigte der Angeklagten vor Gericht ein äußerst „egozentrisches Verhalten“. Sie habe Antworten auf Fragen oft sofort mit der Befriedigung eigener Bedürfnisse verbunden. Insgesamt sei ihr Kommunikationsverhalten vor und nach der Tat weitgehend gleichbleibend gewesen.

Im Mittelpunkt standen ihre Pferde und die Beziehungsprobleme mit dem Ex-Freund, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Ihr eigener Sohn, der etwas jünger ist und von einem anderen Mann stammt, spielte kommunikativ eine untergeordnete Rolle. Fabian habe so gut wie keine Rolle gespielt. Selbst als bekannt war, dass Fabian am 10. Oktober verschwunden war, habe sie die Bedeutung für den Vater nicht realisiert. „Sie hat immer versucht, durch Nachrichten ihre Beziehung zu ihm neu zu beleben“, sagte Frönd.

Großvater schweigt, Hufschmied bestätigt Anwesenheit

Das Landgericht muss auf den Großvater der Angeklagten verzichten, der am Freitag (7. August) hätte gehört werden sollen. Er hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Auf seinem Hof in Reimershagen lebte Gina H. mit einer Schwester und hält dort zwei Pferde und drei Ponys.

Ein Hufschmied bestätigte am Donnerstag, dass die Angeklagte am 10. Oktober, dem mutmaßlichen Tattag, morgens zu Hause war. „Sie war da ganz normal“, sagte der 50-jährige Zeuge. Sie sei bis etwa 9.45 Uhr anwesend gewesen.

Förster widerspricht Angeklagter

Förster Frank Keil erklärte, dass er sich am 10. Oktober gegen 11 Uhr bei Groß Breesen mit dem Vater von Fabian wegen eines Holzeinschlages getroffen habe. Das Treffen habe etwa eine Viertelstunde gedauert. Zur gleichen Zeit soll Gina H. in einem Waldstück südlich von Klein Upahl spazieren gewesen sein. Unklar ist, wo Fabian zu dieser Zeit war. Laut Anklage soll der Junge an einem Wasserloch auf einem Feld zwischen 10.50 Uhr und 12.30 Uhr getötet worden sein.

Das Foto vom Spaziergang, das die Angeklagte am 10. Oktober verschickte, zeige eine Stelle in seinem Forstgebiet, erklärte der Förster. Die Stelle liegt ein Stück von dem Tümpel entfernt. Die Angeklagte hatte bisher einen anderen Wald für ihren Spaziergang genannt. Sie hatte die Leiche bereits am 13. Oktober entdeckt, das aber erst nach einem fingierten Spaziergang am 14. Oktober der Polizei gemeldet.

Vorwurf: Heimtückischer Mord

Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen heimtückischen Mord vor. Sie soll Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung in Güstrow abgeholt und ihn an dem Tümpel bei Klein Upahl mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die Angeklagte schweigt bisher, ihre Anwälte bestreiten die Tat.

Gina H. war vier Jahre lang die Freundin des Vaters von Fabian. Der Metallbauer hatte sich vor einem Jahr getrennt, weil er sich vereinnahmt fühlte und mehr Zeit für Fabian und sich haben wollte. Die Trennung wollte Gina H. laut Anklage nicht akzeptieren, wie Sprachnachrichten belegen sollen.

Bis zum 10. September sind sieben weitere Verhandlungstage geplant. Am 24. August will sich die Angeklagte erstmals äußern. Am Freitag sollen unter anderem eine Großmutter des Jungen und Angestellte des Jugendamtes gehört werden. Für sie gelten besondere Sicherheitsbedingungen, auch wegen des tödlichen Schussvorfalls in Stade.