Der Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow könnte nach Informationen des Nordkuriers noch länger dauern als bisher geplant.
Verteidigung kündigt weitere Beweisanträge an
Während alle Prozessbeteiligten und die Öffentlichkeit gespannt auf die Aussage der Angeklagten Gina H. warten, die für kommenden Montag angekündigt ist, wird die Verteidigung noch eine Reihe von Beweisanträgen stellen, wie Anwalt Thomas Löcker unserer Redaktion sagte. Die Anwälte wollen belegen, dass der laut Staatsanwaltschaft enge zeitliche Ablauf des Verschwindens von Fabian und dessen Tötung am 10. Oktober 2025 – wie ihn die Staatsanwaltschaft über Indizien zusammengestellt hat – nicht zum Tagesablauf der 30-jährigen Pferdesportlerin passt. Ihr wird heimtückischer Mord an dem Jungen, dem Kind ihres Ex-Freundes, vorgeworfen.
Wenn die Schwurgerichtskammer um Richter Holger Schütt den vielen Anträgen der Verteidiger, auch den zuletzt schon gestellten Beweisanträgen, folgt, müsste es noch etliche weitere Verhandlungstage geben. Bisher soll der Mordprozess, der seit Ende April bereits 21 Prozesstage läuft, am 10. September abgeschlossen werden.
Angeklagte will kein Geständnis ablegen
Die geplante Einlassung der 30-Jährigen aus Reimershagen (Landkreis Rostock) wird von Beobachtern als besonders wichtig erachtet. Nach Angaben ihrer Anwälte will sie aber kein Geständnis ablegen. Sie bestreite, die Tat begangen zu haben. Vielmehr wolle sie – in eigenen Worten – viele Indizien, die von anderen Zeugen vorgebracht wurden, widerlegen oder zu ihrer Entlastung deutlich anders darstellen.
Unterdessen liegt der Fundort des getöteten Jungen, ein Wasserloch bei Klein Upahl, wenige Kilometer nordwestlich von Reimershagen, wieder scheinbar unberührt frei. Der Acker, auf dem in diesem Jahr Raps angebaut wurde, ist gerade abgeerntet worden, nur große, kahle Stängel stehen dort. An den Tod des Jungen, dessen angebrannte Leiche dort am 14. Oktober entdeckt wurde, erinnert an dieser Stelle nichts. In den umliegenden Dörfern will sich im Moment niemand zu dem Verfahren äußern. Man sei froh, dass langsam etwas Gras über die Sache gewachsen ist, heißt es nur.
Psychologin soll zur Psyche der Angeklagten aussagen
Für die Verteidigung sind unter anderem die Rollen zweier Bekannter von Gina H. – eines Nachbarn und eines Mannes, mit dem sie sich heimlich am 9. und 10. Oktober getroffen hat – an vielen Stellen noch unklar, wie Löcker betont. In dem Verfahren wird auch die Psyche der Angeklagten durchleuchtet. So kommt noch eine Gefängnispsychologin zu Wort, mit der sie regelmäßig redet. Gina H. lebt wegen psychischer Probleme von Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Ursachen sind eine schwierige Kindheit, sie wuchs bei den Großeltern auf, und mögliche Vergewaltigungsversuche in der Jugend.
Bis zu ihrer Verhaftung im November 2025 ritt sie aber – teils erfolgreich – bei etlichen Reitturnieren in MV. Die Kosten der Tierhaltung ihrer Pferde und Ponys waren ebenfalls ein Thema im Prozess. Laut Anklage stand sie unter großem finanziellen Druck, weil der Vater von Fabian – mit dem sie vier Jahre eine Beziehung hatte – sich im August 2025 nach jahrelangem Streit von ihr getrennt hatte. Die Angeklagte machte sich unter anderem dadurch verdächtig, dass sie die Kinderleiche an dem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl fand. Sie war mit zwei Männern und einer Freundin dort, bevor sie den Fund der Polizei meldete. Im Prozess sagte sie nur einmal etwas: Sie warf ihrer Schwester, die als Zeugin über ihre Jugendzeit aussagte, vor, „einen Dachschaden“ zu haben.