Holstenstraße: Mieter dürfen kurz in evakuierte Wohnungen
Holstenstraße: Mieter holen persönliche Sachen

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Holstenstraße 199 in Altona durften am Freitag kurzzeitig in ihre Wohnungen, um persönliche Gegenstände zu holen. Sie waren am Morgen sehr kurzfristig informiert worden, dass sie ab 11.30 Uhr die Gelegenheit dazu haben.

Kurze Frist, wenige Teilnehmer

Einer der ersten Mieter war Florian Reger. „Wir sind sofort ins Auto gesprungen. Aber das kann halt nicht jeder“, sagte er. „Man wird 1,5 Stunden vorher informiert. Die Leute arbeiten und machen ja irgendwas. Ich finde es wirklich unterirdisch, wie das abläuft.“ Letztlich konnten nur sechs Mietparteien so schnell vor Ort sein. Nacheinander hatten die Mieter jeweils zehn Minuten Zeit in ihren Wohnungen.

Hintergrund: Abriss und Evakuierung

Am Dienstag hatte ein Bagger den vom Einsturz bedrohten Hinterhausteil des 1894 gebauten Mehrfamilienhauses in der Holstenstraße 197 abgerissen, nachdem tiefe Risse das Wohnen dort lebensgefährlich gemacht hatten. Auch die beiden Nebenhäuser wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert.

„Wir sind total traurig für die Nachbarn, die ihr Hab und Gut verloren haben“, sagte Reger. „Ich möchte aber auch nochmal darauf hinweisen, dass neben dem Gebäude auch zwei andere Gebäude stehen, die evakuiert worden sind, wo Familien mit Kindern drin wohnen.“

Hoffnung auf regelmäßigen Zugang

Florian Reger ist derzeit mit seiner Familie bei seinen Schwiegereltern untergekommen, etwa zwei Stunden außerhalb von Hamburg. Er verließ das Haus schwer bepackt mit einem großen Koffer, mehreren Taschen und einem Schulranzen. „Wir ziehen ab Mittwoch in eine kleine Übergangswohnung, weil ab Donnerstag geht die Schule wieder los. Wir hoffen eigentlich, dass es täglich möglich ist, wieder ins Gebäude zu kommen.“

Die Betroffenen äußerten am Donnerstag im Hauptausschuss des Bezirks Altona ihre Kritik. Zwischen der ersten Meldung der Risse und dem Termin mit dem Prüfstatiker seien mehr als fünf Wochen vergangen, sagte eine Anwohnerin: „Das macht mich immer noch fassungslos.“ Ein Bewohner beschrieb zudem den täglichen Wechsel aus Hoffnung und Rückschlag: Immer wieder hätte es geheißen, sie dürften ins Haus und ihre Sachen holen – dann habe es erneut ein Veto vom Statiker gegeben.

Neben der schlechten Kommunikation mit dem Bauamt beklagen die Betroffenen, dass es völlig unklar sei, wer die Kosten für die Ersatzwohnungen tragen wird, die sie sich beschaffen mussten. Im Hauptausschuss der Bezirksversammlung Altona stellten sie klare Forderungen.