Leihmutterschaft: Warener Paar lehnt Kinderkauf entschieden ab
Leihmutterschaft: Warener Paar lehnt Kinderkauf ab

Die Debatte um Leihmutterschaft hat durch den Fall Jens Spahn an Aktualität gewonnen. Das Warener Ehepaar Harald Oeser-Schmersow und Pastor Armin Schmersow hat dazu eine klare Meinung: Ein Kind zu kaufen, kommt für sie nicht in Frage.

Späte Begegnung, klare Ablehnung

Harald Oeser-Schmersow hätte sich gemeinsam mit seinem Mann Armin Schmersow gut vorstellen können, ein Kind zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen. Dass ihre Liebe ohne eigenen Nachwuchs bleibe, liege daran, dass sie einander dafür zu spät begegnet seien, sagt er im Nordkurier-Gespräch.

Aber sich ein Kind zu „kaufen“, wäre für beide gar keine Option. „Die Frau wäre dann lediglich eine Art ‚Brutkasten‘, salopp gesagt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mutter ein Kind unterm Herzen trägt, um am Ende der Schwangerschaft nach all den körperlichen Veränderungen und den Geburtsschmerzen dieses kleine Wesen gern wegzugeben“, sagt Harald Oeser-Schmersow. Er war schon einmal verheiratet – mit einer Frau, die ein Kind mit in die Ehe gebracht hatte.

Ethische Bedenken und Verantwortung

Armin Schmersow, der in Waren als evangelischer Pastor wirkt, möchte sich als Mensch und nicht vordergründig als Theologe äußern. Jedoch findet er, mit heutigen Möglichkeiten wie beispielsweise der Leihmutterschaft schwinge der Mensch sich zum Schöpfer auf. „Ich verstehe, dass mit den immer weitergehenden Entwicklungen wie in der Medizin immer mehr Entscheidungen getroffen werden, die man sich früher nicht vorstellen konnte“, sagt der 64-Jährige. Er verweist auf den Philosophen Hans Jonas, der in seinem Werk „Prinzip Verantwortung“ darlegte, dass die ethische Entwicklung immer den wissenschaftlichen Entwicklungsschritten hinterher hinke. „Dieses Vakuum ist gefährlich, weil in dieser Zeit klare Richtlinien fehlen.“ Beide Männer besorgt daher die Frage, ob die Menschheit mit wachsendem Wissen die Folgen absehen könne oder wolle, die daraus erwachsen.

Das Thema Leihmutterschaft müsse man auch breiter beleuchten als nur bei homosexuellen Paaren. Denn auch viele heterosexuelle Paare sehnten sich oft erfolglos nach eigenen Kindern.

Kritik an Spahn und Menschenhandel

Die „Bigotterie des superkonservativen Spahn“ ist es vor allem, die Armin Schmersow ärgert. Er finde es „äußerst bedenklich, wenn einer der mächtigsten Menschen unseres Landes, der er ja war, sich in diese rechtliche Grauzone begibt. Es ist unakzeptabel, sich öffentlich gegen etwas auszusprechen, was man dagegen für sich selber in Anspruch nimmt. Es ist eben keine Privatsache, wenn man sich so verhält.“

Harald Oeser-Schmersow stellt die Frage nach der Verantwortung für alle Beteiligten. „Sie ist doch riesig für alle Beteiligten“, sagt er. „Zuerst für die Leihmutter, wenn sie ein Kind für jemand anderen bekommt. Ach für die Eltern, denn die müssen ihrem Kind ja irgendwann seine Herkunft erklären, wenn sie ehrlich sind. Und was soll ein Kind denken, wenn es erfährt, dass seine Mutter es für eine Geldzahlung zur Welt gebracht hat?“ In Heimen würden dagegen viele bereits geborene Kinder vergeblich auf eine Familie und ein behütetes Zuhause warten: „Warum müssen es immer die eigenen Gene sein?“

Wenn er von Verträgen lese „wie beim Autokauf“, mit Haftungs- und Kostenregelungen oder Klauseln zur Ernährung und sexuellen Kontakten der Leihmutter, „dann hört es bei mir auf! Das ist doch Menschenhandel“, empört sich Harald Oeser-Schmersow. „Gebären als Dienstleistung“ widerspreche der Menschenwürde und öffne den Weg für Missbrauch und Ausbeutung von Frauen. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass Frauen dies gern und freiwillig machen.“

Demut vor dem Leben

Mit Kindern habe er gern und immer wieder zu tun, wie etwa mit den Enkeln seines Bruders, erzählt Armin Schmersow. „Ein Kind ist wirklich etwas Besonderes und Bereicherndes. Ich kann verstehen, wenn der Kinderwunsch bei Menschen, die sich lieben, zu einem der wichtigsten Themen werden kann. Aber wer zahlt insgesamt den Preis?“, fragt er. Bei seiner Arbeit habe er es in Altenpflegeeinrichtungen, Kliniken und Hospizen eher mit der anderen Seite des Lebens, dem Tod, zu tun. Auch da gebe es heftige Debatten und Grauzonen, beispielsweise bei der Sterbehilfe. Hier spiele lebensachtende Verantwortung eine besondere Rolle, aber leider gehe es oft auch um Geld. „Ich habe mehr als einmal erlebt, dass Verwandte auf den Tod des Angehörigen warten, weil die Pflege zu mühsam erscheint oder es etwas zu erben gibt. Statt kranken und alten Menschen Mut zu machen, ihnen Liebe und Wertschätzung zu zeigen, werden manche darin bestärkt, ihren Lebensmut weiter zu verlieren.“

Armin Schmersow wisse auch nicht, wo man die Reißleine ziehen sollte. Aber ihm fehle in dieser Debatte „die Demut des Menschen vor dem Leben, der Schöpfung und die Einsicht in eigene Grenzen“. Er wünsche sich, „zu akzeptieren, dass wir nicht alles im Leben kontrollieren, erzwingen oder haben können oder müssen – und unser Dasein einfach als Gottes Geschenk zu betrachten“. Dass es auch Frauen gebe, die als Freundschaftsdienst für Familien oder Freunde ein Kind austragen, davon habe er gehört, sich aber keine abschließende Meinung dazu gebildet. Am Ende solle es immer um das Kind gehen und nicht um Lebensträume der Erwachsenen, die sich wie im Falle Spahn auch über geltendes Recht hinwegsetzten.