Nachbarschaftsstreit um A.B. Coffee: Kündigung zum März 2027
Nachbarschaftsstreit: A.B. Coffee droht das Aus

Der Mietvertrag des A.B. Coffee in der Schweriner Schlossstraße wurde zum März 2027 gekündigt. Die Betreiber Alyssa Voigt und Bruno Carrano führen die Kündigung auf jahrelange Beschwerden des benachbarten Friseurs zurück. Der Saloninhaber Ortmann weist diese Darstellung zurück.

Streit um Backgerüche

Der Konflikt begann laut Voigt und Carrano kurz nach der Eröffnung vor rund drei Jahren. Immer wieder seien Behörden eingeschaltet worden. Die Beschwerden hätten aus ihrer Sicht wesentlich zur Kündigung beigetragen. Im Kündigungsschreiben werde auf Beschwerden aus der Nachbarschaft verwiesen.

Ausgangspunkt waren Gerüche aus der Backstube. Gebacken werde regulär morgens von 6 bis 9 Uhr, nur bei Bedarf auch tagsüber, montags und dienstags gar nicht. Die Fenster blieben dabei geschlossen. „Wir haben wirklich alles versucht, um dem Nachbarn entgegenzukommen – trotzdem kamen immer neue Beschwerden hinzu“, sagt Voigt.

Friseur weist Verantwortung zurück

Rechtsanwalt Martin Lorentz vertritt Saloninhaber Ortmann und schildert den Konflikt anders. „Herr Ortmann hat weder die Schließung des Cafés betrieben noch die Vermieterin zur Kündigung veranlasst“, erklärt Lorentz. Die Entscheidung habe die Eigentümerin selbst getroffen. Beanstandet worden seien „intensive Küchen- und Backgerüche“, die durch wiederholt oder dauerhaft geöffnete Türen und Fenster bis in angrenzende Bereiche gelangt seien.

Die Stadt habe die Genehmigung um die Auflage ergänzt, Türen und Fenster während des Kochens geschlossen zu halten. Nach Beobachtungen Ortmanns sei dies nicht durchgehend geschehen. Die Cafébetreiber erklären dagegen, die Fenster beim Backen geschlossen zu halten. Auch weitere Personen aus dem Haus und der Nachbarschaft hätten sich beschwert, so Lorentz.

Mediation und Lüftungsanlage

Weitere Streitpunkte waren Müllbehälter und die fehlende eigene Gästetoilette des Cafés. Gäste hätten regelmäßig im Friseursalon nach einer Toilette gefragt. Das Café habe Hinweisschilder angebracht und auf öffentliche Toiletten verwiesen.

Die Vermieterin habe laut Lorentz einen Mediationstermin organisiert, zu dem die Cafébetreiber nicht erschienen seien. Voigt widerspricht: Sie habe sich mehrfach telefonisch mit der Mediatorin ausgetauscht, lediglich ein gemeinsames Gespräch mit Ortmann abgelehnt. Die Vermieterin habe angeboten, auf eigene Kosten eine Lüftungsanlage einzubauen – die Betreiber bestreiten, ein solches Angebot erhalten zu haben.

Petition gesperrt

Da sie rechtlich kaum gegen die Kündigung vorgehen können, wandten sich Voigt und Carrano an die Öffentlichkeit. Rund 2500 Menschen unterzeichneten ihre Petition, mehr als 800 kommentierten. Inzwischen hat OpenPetition die Petition gesperrt und genauere Angaben zu Kündigungsgrund und möglichen Gegenmaßnahmen gefordert. Voigt erklärte, die geforderten Informationen eingereicht zu haben.

Lorentz kritisiert die Darstellung in der Petition: Sie vermittle den Eindruck, „ein benachbarter Friseur störe sich am Duft von Kaffee und Kuchen und gefährde deshalb die Existenz eines beliebten Cafés“. Das bilde den Konflikt „nur sehr verzerrt“ ab. Die Betreiber bleiben bei ihrer Auffassung, dass die Beschwerden wesentlich zur Kündigung beigetragen haben. „Für mich ist einfach wichtig, dass dieses Café bleiben kann. Wir werden darum kämpfen“, sagt Voigt.