Sven Truderung lässt DDR-Kult-Kuchen in neuem Roman aufleben
Sven Truderung lässt DDR-Kult-Kuchen neu aufleben

Der Neustrelitzer IT-Unternehmer Sven Truderung hat mit seinem neuen Roman „Meisterwerk mit Kaltem Hund“ ein fiktives Dorf namens Zartenow erschaffen, das in kürzester Zeit von null auf über 60 Einwohner gewachsen ist – zumindest virtuell. Schon vor dem Erscheinen des Buches können Interessierte auf der Website Zartenow.de einziehen und am Dorfleben teilnehmen.

Ein Sensationsfund verändert alles

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Bild, das seit Jahrzehnten in der Dorfkirche hängt und sich als Werk des berühmten Malers Adolph Menzel entpuppt. Diese Entdeckung weckt Begehrlichkeiten: Dem Kunsthistoriker Johannes könnte der Fund den Job retten, das Dorf könnte mit dem Verkaufserlös die marode Kirche reparieren, auf die auch die Landeskirche Anspruch erhebt.

Doch da ist auch Julia, deren Großmutter das Bild einst auf der Flucht aus Pommern bis nach Zartenow gerettet hatte. Warum sie gerade dieses Blatt durch alle Beschwernisse, Gefahren und Notlagen hindurch niemals preisgeben konnte, macht die kleine Geschichte groß.

Eine Geschichte aus der Familie

Es ist auch eine Geschichte aus Sven Truderungs Familie: die seiner Großmutter, die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs mit fünf Kindern aus Pommern flüchten musste und nach einigen Umwegen schließlich in Mecklenburg sesshaft wurde. Einige Episoden, die darüber in der Familie erzählt wurden, nahm der Autor in sein Buch auf – eingedenk der Herausforderung, dass es nicht pathetisch und deprimierend werden sollte, immer im Spagat zu den humoristischen Geschehnissen der Gegenwart.

So entstehen Zeitbilder über Kriegs- und Nachkriegszeit, Wendefolgen und Gegenwart. So entsteht auch der Hintergrund für Dinge, von denen alle wissen und keiner spricht: „Es ist besser so“, ist das Motiv für ein generationenlanges einvernehmliches Schweigen, das schließlich doch aufgerührt wird.

Erfundenes Bild und echtes Rezept

Zartenow und seine Menschen sind gleichermaßen echt und fiktiv, aus vielerlei Orten und Begegnungen zusammengefügt. Den Nordkurier-Wunsch nach einem Gesprächsort und Foto-Hintergrund, der ein Stück Zartenow sein könnte, erfüllt der Autor am See in Pieverstorf. Die Kirche könnte aus Peckatel stammen, der Kulturgarten aus Userin – doch immer, wenn einheimische Leser etwas oder jemanden zu identifizieren meinen könnten, steuert er mit „abweichenden“ Details gegen.

Das plötzlich so begehrte Bild „Gemüsegarten im Nachmittagslicht“ hat Sven Truderung komplett erfunden. Die Recherche, welcher berühmte Maler in Pommern vorbeigekommen sein könnte, führte ihn zu Adolph Menzel, den er für seinen Roman „annektierte“. Dafür finden sich Besuchstipps für die Alte Nationalgalerie Berlin ebenso im Anhang des Buches wie Omas Originalrezept für Kalten Hund.

Den Kult-Kuchen werde es übrigens zum Verkaufsstart des Romans bei der regionalen Bäckerei Reinhold geben, konnte der Autor vereinbaren. Die gehört ebenfalls bereits zur virtuellen Belegschaft von Zartenow.de, über deren Geschicke die Romanfigur Hanne Voss wacht. Dort gibt es auch ein „Amt für Unbezahlbares“, in dem Bewohner kundtun können, was ihnen besonders wertvoll ist.

„Meisterwerk mit kaltem Hund“ erscheint am 1. September im Verlag Tredition. Bereits am 27. August um 19 Uhr liest Sven Truderung daraus im Frau Rilke-Buchladen in Neustrelitz, Strelitzer Straße 11, Anmeldung unter 03981 205063 oder [email protected].