Einem internen Bericht zufolge soll die Grünen-Fraktionsvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Constanze Oehlrich, einen Mitarbeiter über Monate mit Liebesbekundungen belästigt haben. Das Prüfverfahren der Partei wurde jedoch als substanzlos eingestellt.
Vorwürfe aus Beratungsstellen-Bericht
Der vierseitige Bericht der Fachberatungsstellen für Antidiskriminierungsarbeit in Greifswald und des Betrieblichen Beratungsteams MV in Stralsund ist vom 29. Juli 2026 datiert. Er liegt dem Nordkurier vor. Darin wird geschildert, dass ein Fraktionsmitarbeiter „vom September 2022 bis zum Januar 2025 wiederholt Liebes- und Gefühlsbekundungen durch seine Vorgesetzte“ ausgesetzt gewesen sei.
Der Mitarbeiter habe bereits bei der ersten Bekundung eine „höfliche und wertschätzende Zurückweisung“ vorgenommen und Distanz vorgeschlagen. Dennoch seien weitere Bekundungen gefolgt. Zusagen der Vorgesetzten zu verbindlichen Regelungen seien nicht eingehalten worden. Der Bericht spricht von „gesundheitlichen Schäden“ des Betroffenen.
Sexualisierte Sprache und Kleidungshinweis
Der Mitarbeiter berichtete zudem von „Benutzung sexualisierter Sprache“ durch Oehlrich. Als Beispiel wird ein Treffen im Büro der Vorgesetzten angeführt, bei dem sie auf zu wenig körperbetonte Kleidung verwiesen habe, die „am Hintern enger sitzt“. Dies widerspreche dem Verhaltenskodex der Partei, der Grenzüberschreitungen nicht vertuschen soll.
Die Grünen haben sich inzwischen von dem Mitarbeiter und einem weiteren getrennt. Die Partei verweist darauf, dass die Einschätzung der Beratungsstelle auf den Schilderungen des Ex-Mitarbeiters beruhe.
Oehlrich weist Vorwürfe zurück
Oehlrich selbst erklärte gegenüber der „Welt“, einzelne Vorgänge würden aus dem Zusammenhang gerissen und mit Bewertungen versehen, die sie nicht teile. Der Hinweis zur Kleidung habe sich auf das dienstliche Auftreten bezogen. „Den daraus erhobenen Vorwurf einer verbalen sexuellen Belästigung weise ich jedoch entschieden zurück.“
Die Pressesprecherin der Landtagsfraktion, Marieke Sobiech, teilte auf Anfrage mit, dass ein unabhängiges Prüfverfahren als substanzlos eingestellt worden sei. Der Landesvorstand steht nach eigenen Angaben im Austausch mit dem Beratungsteam.