30 Angehörige der Opfer des Germanwings-Absturzes von 2015 klagen vor dem Landgericht Braunschweig auf Schadenersatz. Sie sehen den Bund in der Verantwortung, weil das Luftfahrt-Bundesamt die Flugtauglichkeit des verantwortlichen Co-Piloten nicht ausreichend überwacht habe. Die flugmedizinischen Untersuchungen seien insbesondere auf psychiatrische Erkrankungen nicht weitreichend genug gewesen.
Klage auf bis zu 110.000 Euro
Die Kläger fordern Schadenersatz von bis zu 110.000 Euro. Das Zivilverfahren wird in Braunschweig verhandelt, weil das Luftfahrt-Bundesamt dort seinen Sitz hat. Die Klage wurde bereits Anfang Juli 2023 eingereicht.
Verhandlung erst im August 2026
Ein Sprecher des Landgerichts sagte dem NDR Niedersachsen, dass der Fall sehr umfangreich sei und unter anderem deswegen erst am 28. August verhandelt werde. Da es an diesem Tag keine Beweisaufnahme geben wird, vermutet der Sprecher, dass die Verhandlung sich über mehrere Tage oder auch Wochen ziehen könnte.
Erste Einschätzung des Gerichts
Das Landgericht hält es nach einer ersten Einschätzung für unwahrscheinlich, dass der Staat Schadenersatz zahlen muss. Betroffene könnten die Entschädigung stattdessen von der Fluggesellschaft verlangen.
Frühere Klagen gegen Lufthansa gescheitert
Angehörige waren in den vergangenen Jahren mit Schadenersatz-Forderungen gegen die Lufthansa als Muttergesellschaft von Germanwings gescheitert. So verneinten die Richter am Oberlandesgericht in Hamm und am Landgericht Frankfurt die Ansprüche gegen die Fluggesellschaft. Nicht die Lufthansa sei für die flugmedizinische Beurteilung des psychisch kranken Co-Piloten verantwortlich, sondern das Luftfahrt-Bundesamt. Die Gerichte entschieden: „Die medizinische Überwachungspflicht ist Aufgabe des Staates.“ Die Klagen hatten sich gegen die Flugschule der Lufthansa in den USA gerichtet.
Der Absturz
Der Germanwings-Flug 4U9525 war am 25. März 2015 von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs, als der Co-Pilot Andreas Lubitz Ermittlungen zufolge das Flugzeug in den französischen Alpen gegen ein Bergmassiv steuerte. 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.