Landtagswahl 2026: Parteien im Vergleich gegen Ärztemangel
Landtagswahl 2026: Parteien im Vergleich gegen Ärztemangel

In Mecklenburg-Vorpommern steht die medizinische Versorgung vor großen Herausforderungen. Hausärzte stoßen an ihre Grenzen, Facharzttermine sind oft Monate im Voraus ausgebucht, und Patienten aus ländlichen Regionen haben lange Anfahrtswege. Die Landtagswahl 2026 rückt näher, und alle großen Parteien haben Konzepte vorgelegt, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Die Ansätze unterscheiden sich jedoch deutlich.

Die Ausgangslage: Überalterung und Landarztquote

Mehr als 37 Prozent der Hausärzte und über 20 Prozent der Zahnmediziner in Mecklenburg-Vorpommern sind mindestens 60 Jahre alt und stehen vor dem Ruhestand. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVMV) hat zwischen 2008 und 2025 über 200 Ärzte finanziell unterstützt, um Praxen aufzubauen oder zu übernehmen. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) bietet ein Stipendienprogramm für Studierende an, die sich zu fünf Jahren Tätigkeit in Fördergebieten verpflichten.

Seit 2021 werden Medizinstudienplätze bevorzugt an Bewerber vergeben, die sich zu zehn Jahren Landarzttätigkeit verpflichten. Im Frühjahr 2026 wurde diese Landarztquote erweitert und auf Zahnmediziner und Apotheker ausgeweitet. Die Wirkung wird jedoch erst in Jahren spürbar sein – ein Kritikpunkt der Opposition.

Die Konzepte der Parteien im Detail

Die AfD setzt auf kommunale Trägerschaft von Arztpraxen, Notfallpraxen und mobile Versorgung. Sie will Telemedizin fest in der Regelversorgung verankern, lehnt aber anonyme Internetärzte ab. Ein Studiendarlehen, das sich pro Jahr Landarzttätigkeit anteilig tilgt, soll Anreize schaffen.

Das BSW will integrierte Versorgungsmodelle ausbauen und mobile Therapieangebote fördern. Die Partei betont die Unabhängigkeit von Renditeinteressen und will mehr Ausbildungsplätze in therapeutischen Berufen schaffen. Telemedizin soll nur als Ergänzung dienen.

Die CDU plant 100 zusätzliche Humanmedizin-Studienplätze und mindestens 25 Landarztstudienplätze im EU-Ausland mit Rückkehrverpflichtung. Das Landarztstipendium soll wieder eingeführt werden. Zudem fordert sie eine Reform der Bedarfsplanung auf Bundesebene.

Die FDP will Studienplätze an eine spätere Niederlassung in MV koppeln. Ein Stipendiensystem namens „MV-Health-Pioniere“ soll Fachkräfte gewinnen. Die Freien Berufe sollen durch Bürokratieabbau und Telemedizin gestärkt werden.

Die Grünen versprechen regionale Gesundheitszentren in jeder mittelgroßen Stadt. Mobile Praxen, Telemedizin und Gesundheitskioske sollen unterversorgte Gebiete stärken. Internationale Fachkräfte sollen schneller anerkannt werden.

Die Linke will flächendeckende Versorgungsnetzwerke bilden und das „Schwester-Agnes“-Modell wiederbeleben. Sie plant Assistenz-Studiengänge und Stipendien im Ausland sowie beschleunigte Anerkennungsverfahren für ausländische Ärzte.

SPD: Termingarantien und kommunale Zentren

Die SPD will Medizinische Versorgungszentren in gemeinwohlorientierter oder kommunaler Trägerschaft ausbauen. Mobile Ärzteteams sollen die Versorgung sicherstellen. Zudem verspricht sie Arzttermine über die Terminservicestelle der KV in maximal 35 Tagen und Psychotherapeutentermine in Akutfällen binnen zwei Wochen.

Die Verantwortung für die Versorgung bleibt bei KV und KZV, die SPD will sie jedoch mit Programmen zur Gewinnung und Ansiedlung von Ärzten unterstützen. Die Parteien sind sich einig, dass die Lage dringend verbessert werden muss – die Wege dorthin gehen jedoch auseinander.