In Mecklenburg-Vorpommern sind anteilig mehr Renten steuerpflichtig als in westlichen Bundesländern. Laut Statistischem Bundesamt waren im vergangenen Jahr mehr als 74 Prozent der Renten im nordöstlichen Bundesland steuerpflichtige Einkünfte: 8,57 von 11,5 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor waren es noch 58 Prozent.
Ost-West-Gefälle bei der Steuerpflicht
Im Ländervergleich ergibt sich: Während in den östlichen Bundesländern 2025 etwa drei Viertel der Renten steuerpflichtig waren, sind es in Westdeutschland mit im Schnitt 71 Prozent etwas weniger. Die Ursachen für diese Unterschiede sind komplex.
Seit 2005 wird die Besteuerung schrittweise umgestellt: Rentenversicherungsbeiträge von Arbeitnehmern werden zunehmend steuerfrei, dafür die Rentenauszahlung besteuert. Bei Neurentnern liegt der steuerpflichtige Anteil derzeit bei 84 Prozent, im Jahre 2058 werden es laut Deutscher Rentenversicherung 100 Prozent sein. Außerdem gab es Unterschiede bei Freibeträgen in Ost und West.
BSW fordert Steuerfreiheit für Renten bis 2000 Euro
Abgefragt hat die neuen Zahlen das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). „Die Einführung der Rentenbesteuerung war ein schwerer Fehler“, erklärt Peter Schabbel, BSW-Spitzenkandidat zur Landtagswahl in MV. „Sie ist ungerecht, weil die Menschen schon in ihrem gesamten Arbeitsleben gezahlt haben. Sogar immer mehr Rentner mit kleinen Renten werden inzwischen zur Kasse gebeten.“ Das BSW fordere Steuerfreiheit für die gesetzliche Rente bis 2000 Euro im Monat. „Das ist das Mindeste, denn der Fiskus darf sich nicht an der Lebensleistung unserer Rentner bereichern.“
Widerspruch kommt von Rainer Boldt, Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK in MV, der Rentner berät. Er sagt: Während früher mehr Rentenbeiträge von Arbeitnehmern besteuert wurden, seien es jetzt zunehmend die Renten. Das gleiche sich aber aus. „Über das ganze Leben betrachtet, ist es positiv“, so Boldt. Dass der steuerpflichtige Anteil an Renten insgesamt steigt, sei logisch. Denn: Die Renten stiegen ja weiter an.
Zur Wahrheit gehört: Steuern zahlen musste zuletzt „nur“ etwa jeder zweite Rentner. Denn laut Bundesamt lägen viele Renten unter der Grenze des jährlichen Grundfreibetrags.
„Keinen Ost-West-Skandal konstruieren“
Boldt warnt davor, „einen Ost-West-Skandal zu konstruieren“. Die gesetzlichen Renten seien im Osten höher als im Westen. Das liege vor allem daran, dass hier Frauen im Schnitt länger gearbeitet hätten. Als aktuelle Druckschnittrenten nennt er 1155 Euro monatlich in West- und 1374 Euro in Ostdeutschland – Sozialbeiträge abgezogen, Sonderrenten (Witwen, Waisen etc.) nicht eingerechnet.
Viele Statistiken zu Renten kursieren, wichtig sei aber, was man vergleicht. Erst kürzlich fragte die Linke im Bundestag Zahlen ab. Ergebnis: Im Schnitt erhielten Rentner in MV mit mindestens 45 Versicherungsjahren nur 1550 Euro Altersrente. Bundesweit seien es 1712 Euro. Hinweis von Rainer Boldt, Sozialverband VdK: Der Vergleich hinke, weil viele Beschäftigte nicht auf so viele Jahre mit Beitragszahlung kämen.
Und doch warnt Boldt vor einer Verharmlosung der Situation von Rentnern im Osten. Für viele Menschen hier sei die gesetzliche Rente das einzige Einkommen und oft nicht ausreichend. Steigende Mieten oder Lebenshaltungskosten träfen ältere Menschen mit kleinen Renten besonders hart. Dass auch solche Renten in die Steuerpflicht „hineinwachsen“, empfänden viele als „Zumutung“. Boldt fordert eine politische Antwort, etwa einen „armutsfesten Grundfreibetrag“.