Nach dem spektakulären Fund zweier schwedischer Wracks vor Rügen haben Archäologen am Donnerstag in Schwerin erstmals ihre Untersuchungsergebnisse vorgestellt. Wissenschaftler des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern hatten gemeinsam mit Kollegen des Vrak-Museums Stockholm einen Tauchgang in der Ostsee abgeschlossen. Dabei wurden unter anderem Wracks schwedischer Schiffe aus dem 18. Jahrhundert erstmals umfassend untersucht.
Zwei Schiffe aus dem 18. Jahrhundert identifiziert
Bei den beiden Schiffen handelt es sich um die Fregatte "Postillion" und das bewaffnete Handelsschiff "Cecilie". Sie waren bereits 2010 und 2016 entdeckt worden. Erst die gemeinsamen Untersuchungen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege und des Vrak-Museums machten jetzt ihre historische Bedeutung deutlich, hieß es bei der Vorstellung der Ergebnisse in Schwerin.
Ursprünglich waren die Forscher während ihres Tauchgangs auf dem Weg zu absichtlich versenkten Handelsschiffen. Die Schiffe sanken im Winter 1714/15 vor Rügen im Treibeis. An Bord fanden die Taucher unter anderem ein rund 400 Kilogramm schweres Bronzekanonenrohr sowie zahlreiche Alltagsgegenstände.
Schiffsglocke mit Herstellernamen entdeckt
Besonders begeistert ist Wasserarchäologe Jens Auer von der Schiffsglocke. "Wann findet man eine Schiffsglocke mit einem Herstellernamen drauf? Das hat man eben ganz, ganz, ganz selten", sagte er. Die Glocke sei besonders, weil darauf ein Datum (1706), das Monogramm von Karl XII. und der Hersteller zu finden seien. "Das heißt, wieder lauter Indizien, die wir normal nicht haben. Schiffswracks sind ganz häufig für uns einfach anonym, wir schaffen das selten, die zu identifizieren."
Die Schiffskanone aus Bronze wurde in den 1630er-Jahren gegossen und kam offenbar als Kriegsbeute auf ein schwedisches Schiff. Die Glocke ist inzwischen restauriert. Die Kanone liegt im Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege nach wie vor in einem Wasserbad. Auch diese ist ungewöhnlicherweise aus Bronze produziert, statt aus Eisen, wie es bei kleineren Schiffen zu erwarten gewesen wäre. "Bronzekanonen sind auch Kunstobjekte", so Auer. Das Objekt hat zwei Handgriffe, die als Delfine ausgeführt sind. "Man hat sich Mühe gegeben damit. Das ist nicht nur tödlich, das ist auch schön. Und solche Bronzekanonen sind richtig selten auf kleinen Kriegsschiffen."
Laut Inschrift wurde die Kanone 1634 in Landsberg an der Warte hergestellt. Dass sie um 1715 immer noch im Einsatz war, mache sie ebenfalls zu etwas Besonderem.
Wracks bleiben auf dem Meeresgrund
Die "Postillion" und die "Cecilie" sind offensichtlich schnell gesunken, da Ausrüstung und Inventar an Bord geblieben sind. Eine Bergung erfolgte aufgrund des harten Winters und des im Jahr 1715 intensivierten Kriegsgeschehens in Schwedisch Vorpommern nicht. Die Wracks gerieten nach dem Untergang bis zu ihrer Wiederentdeckung in Vergessenheit. Sie bleiben auf dem Meeresgrund und sollen dort weiter erforscht und geschützt werden.
Ungeklärt ist noch die Frage, wann und wo die Funde der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landesamts für Kultur- und Denkmalpflege, betonte: "Wichtig für uns ist, dass wir das, was nur ein exklusiver Kreis heute sehen kann, auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Und das können wir in Zukunft auch mit digitalen Mitteln. Wir werden die Objekte vermessen und da werden wir uns noch Gedanken machen, wie wir als Haus, das ja auch einen Bildungsauftrag hat, alle partizipieren lassen."
Kooperation im Ostseeraum stärken
Mecklenburg-Vorpommern fordert, dass Deutschland endlich die UNESCO-Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes ratifiziert. So sollen derartige Funde besser erforscht und geschützt werden. "Das gemeinsame Projekt mit Schweden zeigt, dass die Geschichte unseres Landes nur im europäischen Kontext zu sehen ist", sagte Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD). Das Land werde seine Kooperationen im Ostseeraum mit den anderen Ostseeanrainern auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung ausbauen, so Martin weiter.