Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat ihre zweite bundesweite Bilanz verlorener und gefährdeter Denkmale für die Jahre 2024/25 vorgelegt. Die Publikation dokumentiert auf 324 Seiten Verluste und akute Gefährdungen. Knapp 1100 Denkmale seien in diesem Zeitraum verloren gegangen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Aufstellung umfasse nur neu hinzugekommene Gefährdungen und Verluste aus den vergangenen beiden Jahren.
Schwerin doppelt betroffen: Schauburg verloren, Strandhotel gefährdet
Zwei Mal findet die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern Erwähnung. Als „verloren“ wird das ehemalige Kino Schauburg in der Innenstadt aufgeführt. Als „gefährdet“ stufen die Denkmalschützer das Strandhotel in Zippendorf ein. Für Mecklenburg-Vorpommern werden insgesamt sieben Objekte als „verloren“ eingestuft. Dazu zählt neben dem ehemaligen Schauburg-Kino auch das Chausseehaus mit Stall in Barnin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie eine Tagelöhnerkate in Krassow, einem Ortsteil von Zurow (Landkreis Nordwestmecklenburg). Dieser sei der Denkmalstatus aberkannt worden. Unter den vier neu als gefährdet eingestuften Denkmalen befindet sich das Schloss Johannstorf in Dassow (Landkreis Nordwestmecklenburg).
Schauburg: Von der Stummfilmzeit zur Baulücke
Die denkmalgeschützte Schauburg in der Schweriner Mecklenburgstraße ist unwiederbringlich verloren. Das Kino eröffnete 1912 und prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt – von der Stummfilmzeit über die Nutzung in der DDR bis zu den letzten Kinovorführungen in den 1990er-Jahren. Seit der Schließung 1995 stand das Haus leer, zahlreiche Sanierungspläne scheiterten. Anfang der 2000er-Jahre wurde der große Kinosaal abgerissen, übrig blieb allein die denkmalgeschützte Fassade. Diese wurde schließlich 2025 wegen Einsturzgefahr abgerissen – aus Sicht der Stadt und von Statikern eine notwendige Entscheidung. Bis heute klafft dort eine Baulücke.
Strandhotel: Streit um Abriss oder Sanierung
Etwas besser bestellt ist es um den Zustand des ehemaligen Strandhotels in Zippendorf, auch wenn dessen Zukunft nach langem Dornröschenschlaf immer noch ungewiss ist. Seit Kurzem gibt es einen neuen Projektentwickler für das ehemalige DDR-Feriendomizil, der sich mit konkreten Plänen bislang aber bedeckt hielt. Zwischen Investor und Stadtverwaltung bestehen Unstimmigkeiten bezüglich eines möglichen Abrisses oder einer Sanierung des denkmalgeschützten Objekts. Die Schweriner Stadtverwaltung möchte, dass das Strandhotel erhalten bleibt. Nach Auffassung der Stiftung stehen die im Schwarzbuch dargestellten Fälle „exemplarisch für besorgniserregende Entwicklungen“, die vielerorts zu beobachten sind: dazu zählten allgemeine Vernachlässigung historischer Bausubstanz, wirtschaftliche oder lokale Drücke, fachliche Fehlentscheidungen, politische Versäumnisse oder unzureichende Durchsetzung bestehender Schutzinstrumente. Trotz ihrer oft erheblichen kulturgeschichtlichen, städtebaulichen oder identitätsstiftenden Bedeutung blieben viele Verluste meist weitgehend unbeachtet. Einen Lichtblick in Schwerin gibt es immerhin: In die Sanierung des lange leer stehenden und stark verfallenen ehemaligen Kurhauses in Zippendorf kommt Bewegung. Insgesamt rund 20 Millionen Euro sollen in das Projekt mit dem Titel Hannah-Luisen-Park fließen.