Bei der ersten U16-Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD mit 33,3 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Linke, SPD und Grüne würden ebenfalls ins Parlament einziehen. Das hat der Landesjugendring mitgeteilt.
Ergebnisse der U16-Wahl
Zwischen dem 7. und 11. September haben sich in 51 Wahllokalen 1504 Kinder und Jugendliche an der erstmals im Nordosten durchgeführten U16-Wahl beteiligt. Auf die AfD entfiel genau ein Drittel (33,3 Prozent) aller abgegebenen Stimmen. Die Linke erreichte 25,3 Prozent, die SPD 14,2 Prozent und die Grünen 8,1 Prozent.
Unter der Fünf-Prozent-Hürde blieben die CDU (3,9 Prozent), die Tierschutzpartei (3,6 Prozent), das BSW (2,9 Prozent) und die FDP (1,8 Prozent). Weitere 6,8 Prozent der Stimmen entfielen auf sonstige Parteien.
Erstmals U16- statt U18-Wahl
Bislang gab es nur die U18-Wahl, erklärt Tino Nicolai vom Landesjugendring. Da 2026 aber erstmals auch 16- und 17-Jährige an der Landtagswahl teilnehmen dürfen, wurde die begleitende Aktion zum ersten Mal als U16-Wahl durchgeführt.
Verglichen mit der letzten U18-Wahl vor fünf Jahren sind sowohl die Wahlbeteiligung als auch die Anzahl der Wahllokale gestiegen. Damals lag noch die SPD vorn, mit 20,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sie hat in der Gunst der Kinder und Jugendlichen seither ebenso verloren wie die FDP (minus 9 Prozent), die CDU (minus 8,9), die Grünen (minus 4) und die Tierschutzpartei (minus 2,2). Zuwächse konnten lediglich die AfD (plus 20,8 Prozent) und die Linke (plus 16) sowie der Neueinsteiger BSW verzeichnen.
Ergebnisse zeigen Tendenzen und Lücken auf
Die Ergebnisse der U16-Wahl seien nicht repräsentativ, zeigten aber Tendenzen und jugendpolitische Lücken auf, erläutert die Geschäftsführerin des Landesjugendrings, Ina Bösefeldt. „Die Ergebnisse zeigen deutlich: Junge Menschen wählen Veränderung. Sie entscheiden sich mehrheitlich für Parteien, mit denen sie einen politischen Wandel verbinden.“ Das käme nicht von ungefähr: „Viele Kinder und Jugendliche stehen unter erheblichem Druck: Psychische Belastungen nehmen zu, multiple Krisen prägen ihr Aufwachsen, und zugleich fehlen ihnen im Alltag häufig Möglichkeiten, Selbstwirksamkeit zu erfahren. Viele erleben, dass ihre Perspektiven und Interessen von der Politik nicht ausreichend wahr- und ernst genommen werden.“
Junge Menschen hätten schon längst dieselben Ängste wie Erwachsene, ergänzt Kassandra Engel von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendarbeit. Sie würden Antworten auf ihre Fragen aber an anderer Stelle suchen, insbesondere auch in den Sozialen Netzwerken. Parteien, die dort gezielt Jugendliche ansprechen, seien deshalb jetzt auch bei der U16-Wahl so erfolgreich.
U18-Wahl auch in Sachsen-Anhalt und Berlin
Auch in den anderen Bundesländern, in denen im September gewählt wurde bzw. wird, fanden Wahlen für Kinder und Jugendliche statt – sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Berlin als U18-Wahl, weil dort Landtag bzw. Abgeordnetenhaus erst ab 18 gewählt werden dürfen. In Sachsen-Anhalt lag mit 31 Prozent die Linke vorn, gefolgt von AfD (22,1), Grünen (12,7), SPD (8,7) und CDU (6,6). Auch in der Hauptstadt favorisieren junge Leute die Linke, auf sie entfielen 32,8 Prozent der Stimmen. Die Grünen bringen es dort bei der U18-Wahl auf 20,9, die SPD auf 11,9, die CDU auf 8,3, die Tierschutzpartei auf 7,7 und die AfD auf 5,8 Prozent der abgegebenen Stimmen.