Altentreptow: Einstiges Krankenhaus und Hotel verfällt
Einstiges Krankenhaus und Hotel verfällt

Der Kultur- und Heimatverein in Altentreptow sorgt sich um das historische Gebäude in der Bahnhofstraße 15. Der Kaufpreis könnte erstaunlich niedrig sein, die Kosten für einen Interessenten aber dennoch hoch.

Vom Bahnhofshotel zum Krankenhaus

Das Gebäude wurde vor dem Jahr 1900 als Bahnhofshotel gebaut. Die sowjetische Kommandantur erließ dann 1945 den Befehl, es zu einem Krankenhaus umzubauen. Der neoklassizistische Bau war aber weit mehr als ein einfaches Bahnhofshotel. Er war zugleich mit seinem prächtigen Saal und der großen Bühne ein Kulturzentrum. Viele Tanzveranstaltungen wurden hier angeboten. Der Arzt Theodor Malade, der auch als Schriftsteller wirkte, habe neben Theaterstücken von Fritz Reuter seine selbstgeschriebenen Stücke unter Mitwirkung von Stadtbewohnern als Laiendarsteller aufgeführt.

Nach etwa einem halben Jahrhundert und mehreren Besitzerwechseln ging dann 1943 die Geschichte als Hotel zu Ende. Bereits seit 1944 sollte der Bau als Behelfskrankenhaus dienen, um das städtische Krankenhaus Stettin hierher auszulagern. Der Umbau zum Krankenhaus erfolgte 1945 auf Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten. Zu dieser Zeit existierten noch einige Behelfslazarette, zum Beispiel die Rote Schule in der Schulstraße sowie eine Not-Krankenstation in der Fichtestraße. Im einstigen Hotel wurden Wände und Decken herausgerissen, wodurch Zimmer für vier bis acht Patienten entstanden.

Wechselvolle Geschichte bis zur Schließung

1976 wurde dann das „Haus II“ übergeben, woran sich viele Um- und Anbauten sowie ein Fahrstuhleinbau anschlossen. 1981 wurde der Komplex zum Kreiskrankenhaus erhoben, und 1982 entstand ein modernes Bettenhaus. Noch nach der Wende wurde sogar ein neuer OP-Trakt gebaut. Jedoch konnten all diese Maßnahmen ein drohendes Ende nicht abwenden. Im April 2002 wurde das Krankenhaus am Klosterberg eröffnet.

Das Gebäude in der Bahnhofstraße war nie als Krankenhaus geplant worden. Deshalb soll es nicht die Strukturen besessen haben, die für so ein Haus wichtig sind. Hingegen hatte Chefarzt Horst Langguth sich in einem Artikel auf eine Arbeitsgruppe vom Institut für Funktionsanalyse im Gesundheitswesen Hamburg berufen, die einschätzte, „dass wesentliche Teile des Krankenhauses der bundesdeutschen Norm entsprechen“.

Keine Zukunftsidee und hohe Belastungen

Der Landkreis hatte keinen Plan B, wie man das Haus weiter nutzen könnte. Vielmehr war man erleichtert, als es 2015 endlich verkauft wurde. Aber auch dabei fehlte die Zukunftsidee. Drei Jahre später kam es zur Zwangsversteigerung. Und der jetzige Besitzer suche wiederum einen Käufer.

Altentreptows Bürgermeisterin bestätigt das. Der Kaufpreis könnte bei einem Euro liegen, trotzdem müsste der Käufer viel für das Gebäude bezahlen. „Entscheidend ist dabei nicht, wie viel man an den Verkäufer zahlt“, so Claudia Ellgoth, „sondern das Haus ist im Grundbuch sehr hoch belastet. Dabei handelt es sich wohl auch um hohe Steuerschulden. Ich glaube nicht, dass das Finanzamt darauf verzichten wird.“

Und so geht ein historischer Altbau weiter einem ruinösen Zustand entgegen. Und das, „obwohl eine Nutzung, zum Beispiel als Mehrgenerationenhaus oder betreutes Wohnen, durchaus vorstellbar wäre“, betont Marina Höhne.