Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl am 20. September gewinnen AfD und SPD in Mecklenburg-Vorpommern erneut leicht in der Wählergunst. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag des Nordkurier.
AfD und SPD legen zu
Die AfD liegt demnach bei 36 Prozent der Wählerstimmen – ein Prozentpunkt mehr als bei der Nordkurier-Umfrage im Juni und 19,3 Prozentpunkte mehr als zur Landtagswahl 2021. Auch die SPD kann leichte Gewinne verbuchen: 29 Prozent bedeuten plus einen Punkt (minus 10,6 gegenüber 2021). Die Linke verharrt bei 11 Prozent (plus 1,1 zu 2021), die CDU bei 10 Prozent (minus 3,3 zu 2021).
Grüne knapp im Landtag, BSW verliert
Die Grünen legen gegenüber Juni um einen Punkt auf 5 Prozent zu (minus 1,3 zu 2021) und wären mit diesem Ergebnis gerade so im Parlament vertreten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verliert dagegen zwei Punkte und kommt jetzt auf 4 Prozent. Die FDP bleibt bei 3 Prozent (minus 2,8 zu 2021).
INSA Consulere hat im Zeitraum vom 4. bis 11. August 1000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in MV befragt – repräsentativ. Die maximale Fehlertoleranz liegt den Demoskopen zufolge bei plus/minus 3,1 Prozent.
Regierungsbildung schwierig
Für eine mögliche Regierungsbildung bedeuten die aktuellen Zahlen: Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kommt derzeit weder mit den Linken noch mit der CDU – 40 oder 39 Prozent – auf eine erforderliche Regierungsmehrheit. Denkbar wären verschiedene Dreierbündnisse. Die CDU schließt Koalitionen mit AfD und Linken aus. Rot-Rot-Grün käme auf 45 Prozent – knapp zu wenig für eine Mehrheit im neuen Parlament.
Potenzialanalyse: SPD mit mehr Potenzial
Die Potenzialanalyse von INSA zeigt: Vieles ist noch möglich. Gefragt wurde, welche Parteien sich die Befragten grundsätzlich auch vorstellen können zu wählen – als zweite Option. Ergebnis: Die SPD hat ein zusätzliches Potenzial von 16 Prozent, die AfD von 5. Weitere Parteien: CDU 13, Linke 13, Grüne 11, FDP 13, BSW 16 Prozent.
Von den potenziellen Wählern der CDU sind 72 Prozent mit aktueller Wahl-Präferenz SPD, bei den Linken-Wählern sind es 55 Prozent. Von Befragten, die als zweite Wahl die AfD angaben, sind 41 Prozent BSW-Anhänger. Umgekehrt könnten sich 68 Prozent der potenziellen AfD-Wähler auch vorstellen, auf das BSW umzuschwenken.
Mehrheit hält AfD für nicht wählbar
Für gar nicht wählbar halten 52 Prozent aller Befragten die AfD, 41 Prozent die Grünen, 38 Prozent die Linke, 32 Prozent die CDU. Bei der SPD sind es 24 Prozent, bei der FDP 23 und beim BSW 21.
Für Hermann Binkert, Chef von INSA Consulere, ist die Landtagswahl damit noch lange nicht entschieden. Die AfD sei aber kaum noch von Platz eins zu verdrängen. Die CDU sieht Binkert „vor einer Zerreißprobe“, da sie sich nach dem 22. September womöglich zwischen einer Koalition mit AfD oder SPD und Linken entscheiden müsste. Bündnisse mit Rechts und Links hat die CDU wiederholt ausgeschlossen.
Auch der Rechtsstreit vor dem Landesverfassungsgericht um die Nichtzulassung der Landesliste der Partei „Lobbyisten für Kinder“ könnte Einfluss auf den Wahlausgang nehmen. Verkürzte sich die Zeit der Briefwahl, würde davon wohl am ehesten die AfD profitieren, so Binkert.