In Mecklenburg-Vorpommern sorgt die Frage nach einer verpflichtenden Vorschule vor der Landtagswahl für Diskussionen. Schuleingangsuntersuchungen hatten gezeigt, dass jedes vierte Kind vor Schulbeginn Sprachprobleme hat. Bislang ist die Vorschule im Nordosten weder an der Kita noch an der Schule verpflichtend. Andere Bundesländer haben bereits Konzepte umgesetzt – Hamburg etwa schreibt seit Jahren einen verbindlichen Sprachtest für Viereinhalbjährige vor. Wer den Test nicht besteht, muss in die Vorschule.
Linke und BSW fordern verbindliches Vorschuljahr
Die Linke will ein verbindliches Vorschuljahr für einen gelingenden Übergang in die Schule einführen. Die Kita sei der erste Bildungsort im Leben eines Kindes, heißt es im Wahlprogramm: „Frühkindliche Bildung entscheidet maßgeblich über den weiteren Bildungsweg und ist der Schlüssel für echte Chancengerechtigkeit.“ Künftig sollen flächendeckende Sprachstandsfeststellungen bei allen viereinhalbjährigen Kindern gemacht werden, um Defizite früh zu erkennen und gegensteuern zu können.
Auch das BSW fordert ein verbindliches Jahr und eine frühe Sprachstandsfeststellung – allerdings schon ab dem vierten Lebensjahr, also mit drei Jahren. „Verbunden mit gezielter Förderung durch pädagogisch qualifiziertes Personal“ sei das die Voraussetzung für einen guten Grundschulstart.
AfD und CDU: Vorschule mit Lehrplan oder nach Hamburger Vorbild
Die AfD will wegen „enormer sprachlicher Defizite“ im letzten Kindergartenjahr eine „Vorschule mit allgemeinverbindlichem Lehrplan einschließlich einheitlicher Bildungsstandards“ einführen. Ziel sei es, „unsere Kinder gezielt zu fördern und auf eine erfolgreiche Schullaufbahn vorzubereiten“. Eine Ausweitung der Schulpflicht sei damit aber nicht verbunden.
Die CDU erwähnt Vorschulklassen gleich viermal in ihrem Wahlprogramm. Verpflichtende Sprachstandsfeststellungen für Kinder zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr sollen klären, ob ausreichende Deutschkenntnisse für die Einschulung vorhanden sind. Bei Defiziten „muss eine Förderung in einer Kita oder Vorschulklasse mit zielgerichteten Förderangeboten erfolgen“. Damit wird das letzte Kitajahr für betroffene Kinder verpflichtend – eine allgemeine Vorschulpflicht lehnt die CDU ab.
SPD bleibt allgemein, FDP und Grüne ohne Vorschulkonzept
Die SPD bleibt beim Thema Vorschule allgemein. Sie will, dass „Förderbedarfe in der Kita noch besser und früher erkannt und durch gezieltere Förderung – wo möglich – behoben werden“. Zudem prüfe man, „wie die basalen Fähigkeiten im Rahmen der Vorschule noch weiter gestärkt werden können“. Eine verpflichtende Vorschule oder Sprachstandserhebungen sieht das Programm nicht vor.
Die FDP schreibt nichts von verpflichtenden Sprachtests oder einer verbindlichen Vorschule. Allen Kindern mit Sprachdefiziten müsse man aber „frühzeitig eine bestmögliche Sprachförderung bieten“, etwa durch gestärktes Vorlesen in Kitas. Auch die Grünen widmen sich dem Übergang von Kita zu Schule nicht – weder eine verpflichtende Förderung für Kinder mit sprachlichen oder motorischen Defiziten noch eine Vorschule für alle wird gefordert.