Zug rauscht durch: Hunderte Reisende in Holthusen gestrandet
Zug rauscht durch: Hunderte in Holthusen gestrandet (10.08.2026)

Am Freitagmittag warten mehr als 100 Menschen am Bahnhof Holthusen auf ihren Anschlusszug Richtung Hamburg. Der Regionalexpress rauscht einfach durch – ohne anzuhalten. Die Meldung über den Zugausfall erscheint erst in der App, als die Fahrgäste bereits auf dem Bahnsteig stehen. Auch Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn können keine Auskunft geben.

Reisende berichten von fehlender Information

„Wir sollten hier umsteigen und der Zug fährt einfach durch. Erst als wir am Gleis ankamen, wurde angezeigt, dass der Zug ausfällt. Nun müssen wir zwei Stunden auf den nächsten warten“, berichtet Tina Dreesen, die mit dem Deutschlandticket von Berlin nach Hamburg unterwegs ist. Auch Lucia Schima und Johanna Broszeit stranden in Holthusen. Sie suchen vergeblich nach Alternativen. „Wir haben auch mal geguckt, ob es hier einen Supermarkt gibt oder einen Kiosk, aber hier ist nichts“, sagt Johanna Broszeit. Zudem fehle inzwischen sogar eine mobile Toilette.

Jutta Tetzlaff, die nach Büchen möchte, zeigt sich frustriert: „Das ist eine Frechheit, die Leute einfach stehenzulassen und keine Informationen zu geben. Jetzt, wo der Zug weg ist und nicht angehalten hat, wird es erst in der App angezeigt. Nun ist schon alles zu spät.“ Ein junger Mann, der seinen Flug von Hamburg nach Australien erreichen will, beobachtet die Lage mit Sorge.

Ursache: Deutschlandtakt statt Streckensperrung

Die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) erklärt erstmals, warum der kleine Bahnhof zum Umsteigeknoten wurde. Nicht die monatelange Sperrung der Strecke Hamburg–Berlin sei die Ursache, sondern der bundesweite Deutschlandtakt. „Das deutschlandweit veränderte Fahrplanangebot auf Basis des Deutschlandtakts führt dazu, dass der Umstieg zwischen der RE 8 Wismar–Berlin und der RE 1 Rostock–Hamburg nicht mehr in Schwerin Hauptbahnhof, sondern nur noch in Holthusen oder Schwerin Süd möglich ist“, so eine Sprecherin.

Mit dem heutigen Andrang habe niemand gerechnet. „Nach damaligem Kenntnisstand war mit einer zweistelligen Zahl von Umsteigern je Tag zwischen RE 8 und RE 1 auszugehen“, so die Sprecherin. Der Fahrgastzuwachs durch das 2023 eingeführte Deutschlandticket sei nicht absehbar gewesen.

Land fordert Verbesserungen – vorerst keine Rückkehr nach Schwerin

Die VMV räumt ein: „Die Situation in Holthusen ist derzeit insbesondere an den Wochenenden sehr schwierig.“ Das Land habe die DB InfraGO bereits mehrfach aufgefordert, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und den Umstieg zu optimieren. Geprüft würden Wetterschutzhäuser, zusätzliche mobile Toiletten seien veranlasst worden – am Freitag waren jedoch weder zusätzliche noch vorhandene Dixi-WCs zu sehen. Eine Rückkehr der Umstiege an den Schweriner Hauptbahnhof werde es wegen des Deutschlandtakts „in den kommenden Jahren“ nicht geben.

Stattdessen favorisiert die VMV einen Umstieg in Schwerin Süd, wo eine mobile Brücke geprüft wird. Als später eine ODEG nach Schwerin einfährt, steigen fast alle ein. Nur ein junger Mann aus Österreich bleibt zurück: „Ich muss nach Hamburg und heute Nachmittag meinen Flug nach Spanien bekommen, aber der Zug fährt ja in eine andere Richtung.“ Sein Fazit: „Die Deutsche Bahn ist immer eine Katastrophe. In Österreich gibt es auch Verspätungen, aber dann wenige Minuten. Hier wird auch einfach mal ersatzlos gestrichen. Das geht doch nicht.“