Der Behindertenverband Ueckermünde hofft auf einen deutlich höheren städtischen Zuschuss als die bisherigen 100 Euro pro Jahr. Die Stadtvertretung will in ihren Ausschüssen darüber beraten, ob der Verband, der jährlich Ausgaben von rund 18.500 Euro bewältigen muss, mehr Unterstützung erhalten kann.
Hohe Kosten für behindertengerechte Fahrten
Vor allem die Fahrtkosten mit behindertengerechten Fahrzeugen belasten den Haushalt des Verbands. Die Vorsitzende Marlen Deutsch erläuterte vor den Stadtvertretern, dass allein eine Teilnahme an einer Veranstaltung des Seniorenbeirats in der Chausseestraße für sie als Rollstuhlfahrerin Fahrtkosten von 50 Euro mit einem Behindertentransport verursacht. Werden auch Mitglieder aus dem Umland und aus Torgelow nach Ueckermünde geholt, summieren sich die Kosten auf rund 500 Euro.
Die Fahrt zum Kegeln nach Hoppenwalde schlug mit 157 Euro zu Buche. „Der Ausflug nach Löcknitz im Frühjahr mit drei Fahrzeugen hat genau 811,80 Euro gekostet“, sagte die Vereinschefin. In diesem Jahr komme der Verband bisher auf 3300 Euro Fahrtkosten. Hinzu kommen jährlich rund 500 Euro für Büromaterial.
Spenden und Fördermittel als zusätzliche Einnahmen
Marlen Deutsch zeigte sich dankbar für gelegentliche Fördergelder vom Land, vom Landkreis oder von der Ehrenamtsstiftung. So erhalte der Verband 500 Euro von der Ehrenamtsstiftung für den Ausflug ins Stralsunder Meereskundemuseum am 12. September. Die CDU habe gerade 100 Euro gespendet. Der Verband würde sich über weitere Sponsoren freuen.
Die 1.500 Euro aus Mitgliedsbeiträgen reichten bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken. „Die 100 Euro reichen nicht einmal, um einen Nachmittag abzudecken“, sagte sie gegenüber dem Nordkurier.
Beratung in Ausschüssen geplant
Die AfD-Fraktion hatte in einem Antrag gefordert, dass die Stadt nicht den Eindruck entstehen lassen sollte, dass Teilhabe nur eine nachrangige freiwillige Leistung ist. Die Fraktion wies darauf hin, dass Betroffene ohne geeignete Transportmöglichkeiten faktisch von vielen Angeboten ausgeschlossen bleiben. Ziel des Antrags sei eine sachgerechte Beratung über den Stellenwert von Teilhabe, Barrierefreiheit und sozialer Verantwortung in Ueckermünde.
Kämmerin Katrin Zeitz erläuterte vorab, dass die Stadtvertreter die Gesamtsumme von 1000 Euro für soziale Zwecke selbst in der Haushaltsplanung für das Jahr 2026 beschlossen hatten. Die Verwaltung hatte die Summe mit der schlechten Finanzlage der Stadt begründet. Für den Behindertenverband seien nicht mehr als 100 Euro drin gewesen. Vereine müssten ihre Finanzplanung und alle Einnahmen vorlegen.
Stadtpräsident Robert Kriewitz (CDU/Gemeinsam für Ueckermünde) räumte in der Sitzung ein: „Das Soziale haben wir etwas vernachlässigt.“ Er versicherte jedoch, dass der Behindertenverband mit seinen rund 30 Mitgliedern nach der Vorstellung in den Ausschüssen und nach einem Beschluss der Stadtvertreter nicht nur mit 100 Euro nach Hause gehen werde. Über eine höhere Unterstützung soll vermutlich zuerst im Finanzausschuss am 7. September gesprochen werden.