Riesiger Erdrutsch an Rügens Steilküste: Warnung an Besucher
Erdrutsch an Rügens Steilküste: Warnung an Besucher

Im Nationalpark Jasmund auf Rügen hat sich ein größerer Hangrutsch ereignet. Nördlich des Kollicker Ortes nahe dem Kreidefelsen Königsstuhl brachen rund 4.500 Kubikmeter Geschiebemergel und Sand ab und rutschten die Steilküste hinunter.

Abbruch erstreckt sich über 45 Meter

Der Abbruch erstreckt sich über eine Länge von etwa 45 Metern. Der entstandene Schuttkegel ragt bis zu zehn Meter in die Ostsee hinein und erreicht eine Höhe von rund fünf Metern. Das nachrutschende Sediment reicht bis zu 20 Meter hangaufwärts.

Erst im vergangenen Jahr musste nach 120 Jahren der Leuchtturm im Kollicker Ort wegen Absturzgefahr abgebaut werden.

Anders als frühere Abbrüche

Anders als bei früheren größeren Abbrüchen war diesmal nicht die Kreide selbst betroffen. Stattdessen geriet die Deckschicht in Bewegung, die sich nach den letzten Eiszeiten über der rund 70 Millionen Jahre alten Kreide gebildet hat.

„Die Steilküste bietet uns einen einzigen großen geologischen Aufschluss. Die Landschaftsgeschichte lässt sich durch die erkennbare Schichtung sehr gut nachvollziehen“, erklärt Dr. Ingolf Stodian, Geologe und Dezernatsleiter des Nationalparks. Schichten aus Geschiebemergel, Sand und Ton wechseln sich ab. Unter ihnen befindet sich die bis zu 600 Meter mächtige Kreide. Gelangt viel Wasser in die Sandschichten, kann es sich auf den wasserstauenden Tonschichten sammeln und den Hang ins Rutschen bringen.

Küste ist nicht berechenbar

Das Nationalparkamt weist darauf hin, dass an der gesamten Steilküste jederzeit mit weiteren Abbrüchen gerechnet werden muss. „Die Dynamik dieser Küste ist einfach nicht berechenbar“, so der Dezernatsleiter des Nationalparks. Besucher werden dringend gebeten, ausschließlich die markierten Hochuferwege zu nutzen und diese nicht zu verlassen. Das diene dem Schutz der empfindlichen Natur und der eigenen Sicherheit.