Zwei weiße Hemden flattern weiterhin an den Ortseingangsschildern von Löcknitz. Auf ihnen steht „Das letzte Hemd“. Die Aufschrift spielt auf Redewendungen an, die mit dem Verlust des gesamten Besitzes oder der Wertlosigkeit von Geld im Angesicht des Todes zu tun haben. Hinter der Aktion steht eine bundesweite Initiative, die nach Angaben verschiedener Medien auch der rechten Szene zugeordnet werden kann. Der Staatsschutz ermittelt.
Zwei Hemden entfernt, zwei bleiben
Der Löcknitzer Bürgermeister Detlef Ebert (CDU) hat die Hemden auch in Polzow und Boock gesehen. In seinem Ort hingen zudem zwei weitere, wie er dem Nordkurier erzählt: eins ganz oben an einer Laterne am Markt, ein anderes am Werbeaufsteller gegenüber dem roten Netto. Diese ließ er entfernen.
Zu den Hemden an den Ortseingangsschildern sagt er: „Wir nehmen sie nicht ab, die Schilder gehören uns nicht. Darum soll sich das Straßenbauamt kümmern.“ Ebert wollte die Hintergründe, warum diese Hemden bundesweit zu sehen sind, nicht weiter erläutern.
Globale Bewegung
Die Aktion erinnert an die Initiative „Das letzte Hemd“ von Attac. Diese versteht sich eigenen Aussagen zufolge mit 90.000 Mitgliedern in 50 Ländern „als Teil der globalen Bewegung und breites gesellschaftliches Bündnis“. Bereits im Jahr 2010 organisierten Aktivisten von Attac einen aufsehenerregenden Protest: Während die Abgeordneten im Bundestag über den Haushaltsentwurf debattierten, lief draußen eine Modenschau der besonderen Art. Bürger präsentierten auf einem Laufsteg ihre „letzten Hemden“, die sie individuell mit Slogans gegen das Sparpaket beschriftet hatten. Gleichzeitig flatterten mehr als 2000 dieser „letzten Hemden“ an Wäscheleinen rund um das Reichstagsgebäude im Wind.
2026 zeigt sich ein ähnliches Bild. Beobachter führen das auf die wachsende Angst vor wirtschaftlichem Niedergang und Verarmung zurück.
Regeln verbieten private Botschaften
Wie lange die Behörden die Hemden an den Ortseingangsschildern noch dulden, bleibt offen. Eigentlich verbieten die Regeln, private Gegenstände und Botschaften an amtliche Verkehrszeichen anzubringen – dazu zählen auch die Ortseingangsschilder.