Der Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow wird sich voraussichtlich um etwa einen Monat verlängern. Das Landgericht Rostock plant weitere Vernehmungen und zusätzliche Untersuchungen zum Smartphone der Angeklagten. Dies gab Richter Holger Schütt am 24. Prozesstag bekannt.
Weitere Verhandlungstage und Smartphone-Analyse
Die Ermittlungen sollen klären, wo sich die Angeklagte am mutmaßlichen Tattag, dem 10. Oktober 2025, und danach aufgehalten hat und mit welchen Geräten sie dort eingeloggt war. Dafür sind sechs weitere Verhandlungstage bis zum 8. Oktober angesetzt. Ursprünglich sollte das Urteil bereits am 10. September verkündet werden.
Cousin schildert Verlustängste und schwierige Kindheit
Am Freitag beschrieb ein Cousin der Angeklagten diese als einen Menschen, „der größere Verlustängste“ habe. Dies habe er bei Besuchen bei den gemeinsamen Großeltern mehrfach bemerkt, sagte der 39-jährige Zeuge. Er führt dies auf die schwierigen Verhältnisse zurück, in denen Gina H. aufgewachsen sei. Die Angeklagte wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester bei den Großeltern auf, weil die drogenkranke Mutter mit der Erziehung überfordert war.
Nach der Trennung von ihrem Freund im August 2025, dem Vater des getöteten Fabian, sei Gina H. aus Krakow am See zurück zu den Großeltern nach Reimershagen gezogen. Der Zeuge erklärte, dies habe auch damit zu tun gehabt, dass sich jemand um die betagten Großeltern kümmern sollte. Zudem stehen die Pferde und Ponys der angeklagten Pferdesportlerin in dem Dorf.
Zeuge berichtet über Kredit und Verhalten der Angeklagten
Der bei Berlin lebende Cousin ist Bürge für einen Kredit von etwa 25.000 Euro, den die Angeklagte für ihren orangenen Ford Ranger aufgenommen hat. Der Kredit werde ohne Probleme zurückgezahlt, so der Mann. Auf die Frage, ob er es für möglich halte, dass seine Cousine ein solches Verbrechen verübt habe, sagte er, er verhalte sich „neutral“. Er habe nie erlebt, dass Gina H. bei ihren Tieren oder gegenüber anderen Menschen ausgerastet sei. Blut oder das Aufbrechen von Tieren, wie es der Großvater als Jäger manchmal praktizierte, habe sie nicht ertragen. Manche Dinge seien in der Familie allerdings auch nicht besprochen worden oder tabu gewesen, so der Zeuge.
Die Angeklagte will nach der Verlesung ihrer Aussage keine Nachfragen des Landgerichts beantworten. Die Anklage wirft ihr „heimtückischen Mord“ vor. Sie soll den Jungen am 10. Oktober 2025 von zu Hause in Güstrow abgeholt und erstochen haben. Unklar ist weiterhin, woher sie gewusst haben soll, dass Fabian an jenem Freitag allein zu Hause war. Er war einen Tag zuvor wegen Nasenblutens von der Mutter aus der Schule abgeholt worden, danach aber wieder in Güstrow unterwegs gewesen.
Die Leiche des Jungen wurde in Brand gesteckt und am 14. Oktober an einem Tümpel auf einem Feld bei Klein Upahl gefunden. Gina H. hat alle Vorwürfe in ihrer Erklärung bestritten und zwei Bekannte belastet, die vor ihrer Meldung des Leichenfundes an die Polizei bereits mit ihr am Fundort waren. Die Verteidigung fordert, dass beide Bekannte, die gelogen haben sollen, erneut als Zeugen gehört werden.