Sechs Monate nach einer größeren Drogenrazzia im Zusammenhang mit Rocker-Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern hat der Hauptverdächtige vor dem Landgericht Neubrandenburg ein Geständnis abgelegt. „Das bei der Durchsuchung bei meinem Mandanten gefundene Kokain und Marihuana war zum größten Teil zum Handel gedacht“, erklärte Verteidiger Daniel Scheibner am Montag am Landgericht Neubrandenburg auf Geheiß des 46-jährigen Angeklagten.
Geständnis auch zum Waffenbesitz
Auch den Besitz der Schusswaffe, die bei der Durchsuchung im Februar im Keller des Wohnhauses in Neubrandenburg gefunden worden war, räume sein Mandant ein. Außerdem habe der 46-jährige Handwerker, der der Bandidos-Rockerszene zugerechnet wird, mit Potenzmitteln gehandelt. Der Angeklagte, dem größerer Drogenhandel mit Waffen vorgeworfen wird, bestätigte die Angaben.
Damit kann der Mann mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und zwei Monaten bis zu drei Jahren und zehn Monaten rechnen. Das sieht eine Verständigung vor, auf die sich die Strafkammer um Richter Norman Golinski, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung im Falle eines Geständnisses am Montag (10. August) einigten.
Angeklagter will sein Leben ändern
Der Angeklagte gab an, dass er längere Zeit hinweg vor allem Amphetamine und Kokain konsumiert habe, um seine komplizierte familiäre Situation und seine gesundheitlichen Probleme mit dem Rücken zu vergessen. „Das will ich aber ändern, denn ich will wieder ein Vorbild für die Kinder sein“, las der Anwalt die Worte des Mandanten vor.
Der Neubrandenburger stammt aus der Region, ist selbstständiger Handwerker und war jahrelang Fußballer. Er hatte zunächst in Bonn und später in Neubrandenburg eine eigene Bauhandwerker-Firma. Aus zwei gescheiterten Beziehungen hat er eine jugendliche Tochter und einen Jungen, die bei den Müttern leben und die er selten sieht. Mit der Motorradrockerszene sei er schon in Nordrhein-Westfalen in Kontakt gekommen.
Hintergrund der Razzia
Nach monatelangen Ermittlungen in der Motorradrocker- und Drogenszene nördlich von Berlin waren im Februar etwa 80 Beamte im Einsatz und durchsuchten mehrere Objekte in MV - vor allem in der Region Neubrandenburg - und in Nord-Brandenburg. Hintergrund waren Ermittlungen der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Rostock wegen Drogengeschäften und Strafgeldkriminalität.
Insgesamt gab es damals 13 Tatverdächtige im Alter von 22 bis 52 Jahren. Angeklagt wurde bisher nur der Handwerker. Bei dem Angeklagten wurden unter anderem 177 Gramm Kokain und mehr als 1,2 Kilogramm Marihuana, eine schussbereite Pistole sowie eine größere Menge an Patronen und rund 200 Tabletten gefunden. Der Angeklagte ist seither in U-Haft. Der Prozess soll noch im August zu Ende gehen.
Der Bandidos-MC Neubrandenburg und dessen Unterstützer stehen seit Jahren wegen Drogendelikten und Erpressung von Geld im Fokus der Ermittler.